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"Kommt
her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will
euch erquicken." (Matthäus 11,28)
Dieser
Spruch, der vor einigen Jahrzehnten noch an der Wand über dem Altar
zu lesen war, ist von der Sprache her für den Menschen von heute,
vor allem für die junge Generation, gar nicht sofort verständlich.
Anglizismen wie "Computer" oder "Job" werden leichter verstanden als
die alten deutschen Wörter "mühselig" und "erquicken". Deshalb
möchte ich sie an Beispielen kurz erläutern: "Mühselig"
enthält ja das Wort "Mühe" und Mühe bedeutet immer etwas
Anstrengendes,auch Belastendes. "Selig" hat ursprünglich die Bedeutung
von "glücklich", "gesegnet". Das heißt also, dass man durch
Bemühungen glücklich, gesegnet wurde.
"Erquicken"
hingegen bedeutet sprachgeschichtlich gesehen "lebendig machen", "wieder
beleben", in der Medizin würde man es lateinisch ausdrücken,
nämlich "reanimieren". Als Erquickung empfand man in Zeiten, als
es noch keine Limonadengetränke gab, das reine, kalte Wasser einer
Quelle(>Ortsname "Schönborn"), aus der man trank, wenn man
bei großer Hitze lange draußen gearbeitet hatte oder weite
Strecken gewandert war. Es wirkte "belebend". Und damit ist man eigentlich
schon an der Kernaussage des Spruchs angelangt.
Die
Einladung Jesu Christi "Kommt her zu mir alle,..." ist ganz unspektakulär
und wendet sich an alle, die "beladen" sind, die ihr Päckchen zu
tragen haben und davon gibt es wie zur Zeit Jesu mehr als genug Menschen;
denn längst nicht alle sind topfit, haben ein Aussehen wie ein
Model und sind erfolgreich und entsprechen dem, was man in unserer Zeit
mit dem etwas grausamen Wort "Humankapital" bezeichnet. Man hört
nicht selten Ausdrücke wie "Powerfrau" und "traumhafte Karriere*".
Aber berufliche wie sportliche Leistungsfähigkeit sind nicht lebenslang
garantiert. [Vergl. hierzu das Lied EG 528/GL 657]. Die heute noch Erfolgreichen
und Gesunden können morgen schon in eine Situation geraten, die
belastend wird und sie fallen -um es mit einem Bild auszudrücken-
von einem Wellenberg ins Wellental. Und wer auf der Erfolgswelle geschwommen
ist oder gesurft hat, fällt oft tief und ist schnell vergessen.
Beispiele gibt es immer wieder in Politik und Wirtschaft, im Sport und
auch im Show-Geschäft. Kein Leben ist frei von Lasten und die Zahl
der zum Leben gehörenden Belastungssituationen ist groß:
Der eine leidet unter Mobbing und Isolation am Arbeitsplatz, der andere
ist gar arbeitslos, der nächste leidet darunter,dass er einer gesellschaftlichen
Randgruppe angehört oder vielleicht darunter, dass sein Kind in
der Schule nicht die erwarteten Leistungen bringt. Ehekrisen belasten
Eltern und ihre Kinder. Wer sonst keine Sorgen hat, den bedrückt
vielleicht schon ein Abwärtstrend auf dem Aktienmarkt. Am größten
jedoch ist oder wird das Leid, wenn Altersschwäche oder eine chronische
bzw. progressive Erkrankung das Leben fast unerträglich machen
oder wenn man einen geliebten Menschen durch Krankheit, Unfall oder
Mord verliert.
In
all diesen Lebenskrisen verspricht Jesus Christus bei uns zu sein, wenn
wir ihm vertrauen. Er ist die Quelle des Lebens, der Weg, die Wahrheit
und das Leben. Versuchen wir doch, uns auf sein Wort, das er uns gegeben
hat, zu verlassen.
*carrière
= franz. ursprüngl. "Rennbahn", "Laufbahn",
auch die schnellste Gangart des Pferdes; im menschlichen Bereich
mit anderen Worten ein "Senkrechtstarter", der auch einen gewissen Grad
an Rücksichtslosigkeit besitzen muss, um seine Ziele zu verwirklichen,
aber auch Gefahr läuft wie ein extrem schnell laufendes Pferd tot
zusammenzubrechen!
Neuerdings
wird das Karrieredenken durch so genannte Leistungsprämien gefördert.
"Bete und arbeite" steht auf einer unserer Glocken. Das Arbeiten ist
nichts prinzipiell Neues und ist ja bereits in der Schöpfungsgeschichte
erwähnt. Aber die Leistung sollte an den organischen und psychischen
Grenzen der menschlichen Spezies orientiert sein. Der Mensch muss auch
zur Ruhe finden können und in der Lage sein, im Gebet mit Gott
zu kommunizieren. Nicht umsonst gab und gibt es seit Ignatius von
Loyola in der kath. Kirche die "Exerzitien" (exercitia spiritualia),
geistliche Übungen, die in Einsamkeit, Schweigen und Betrachtung
der religiösen Besinnung dienen.
wj
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Der
folgende Text ist ein Beispiel dafür, wie man sich aus theologischer
Sicht mit dem Problem der rasanten technischen Entwicklung und den damit
verbundenen Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft auseinandersetzt.
Bildung im Zeitalter
der Beschleunigung
war der erste gemeinsame
Bildungskongress von Deutscher Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche
in Deutschland überschrieben, der im November des Jahres 2000 im
Französischen Dom in Berlin stattfand.
Bildung hat Konjunktur. Sie
soll mithelfen, dass Deutschland Anschluss an die globale1)
Entwicklung behält. Aber welches Wissen brauchen wir für unsere
Zukunft? "Wie sollen die Bildungseinrichtungen reagieren? ", fragten
Bischof Karl Lehmann und Präses Manfred Kock. Dem gesellschaftlichen
Trend, die Wirtschaft zum Maß aller Entwicklungen zu machen, setzten
die beiden Kirchen kontrapunktisch ihre Antwort entgegen. "Wissen braucht
menschliches Maß", betonte M. Kock auf dem Kongress. "Lernen braucht
Ziele. Es darf beim lebenslangen Lernen nicht darum gehen, sich ein
Leben lang an die Bedürfnisse der Wirtschaft anzupassen." Das Bildungsverständnis
dürfe sich nicht darauf beschränken, Menschen für die
Bewältigung der Wirtschafts- und Modernisierungsdynamiken zu qualifizieren2),
warnte Kock.
Dieser Tenor fand sich auch
im Hauptreferat auf dem Bildungskongress, gehalten von Professor Leo
O'Donovan, Präsident der Georgetown University Washington D.C.
Der Jesuitenpater wandte sich gegen die "besinnungslose Funktionalisierung
des Bildungswesens seit Tony Blair." "Es geht um unsere Freiheit; wir
dürfen uns nicht der Beschleunigung unterwerfen." O'Donovan sprach
sich gegen den "Nützlichkeitswahn" aus und plädierte für
die Fähigkeit und Möglichkeit des Unterbrechens und Abstandfindens
(Sabbat und Sonntag), die er als "übernützlich" bezeichnete.*
Auf dem Bildungskongress
wurden als Fazit zehn Bildungsthesen vorgestellt, die folgendem Dreierschritt
folgen: Wissen braucht Maß - Lernen braucht Ziele - Bildung braucht
Zeit.
Die Kirchen verweisen auf
ein neues Dilemma: Weltwissen und Lebenswissen seien auf dramatische
Weise ungleich groß. Danach ergibt sich nach Ansicht der Kirchen
als "Kriterium neuen Lernens: Aus Weltwissen muss Lebenswissen werden."
Bildung stelle den Menschen in den Mittelpunkt. In Zeiten der Beschleunigung
werden stabilisierende, allgemein geltende Orientierungen und Maßstäbe
zum knappen Gut und daher wertvoll. Bildungsinstitutionen müssen
übernützliche Inhalte im Blick haben. Die Kirchen hoffen so
auf die Erkenntnis: Wirtschaft ist nicht alles. [Quelle: Forum
E vom 17.1.2001]
*
"Definition" des Sonntags siehe auch auf der Seite "Turmbau zu Babel"!
1)Das
derzeit stark strapazierte Wort "Globalisierung"
ist vorrangig ein wirtschaftlicher Begriff und die Globalisierung
verfolgt primär ökonomische Interessen. Man darf also nicht
im Sinne Schillers und Beethovens meinen, alle Menschen würden
hierdurch Brüder. Brüderlichkeit lässt sich leider nicht
per Mausklick realisieren und es bedarf immer wieder großer Anstrengungen
den Frieden in der Welt zu sichern.
Ein Fonds-Manager hat nun
noch einen neuen Begriff geprägt, den der "Glokalisierung".
Hier wird in Unternehmen investiert, die ihre Geschäftsstrategien
global ausrichten, dabei aber die lokalen Unterschiede berücksichtigen.
wj
2)Im
vergangenen Sommer geisterte eine Zeitungsnotiz aus Spanien durch die
Zeitungen dieses Landes. Eine Frau aus Galicien hatte von Ihrem Landesminister
für Kultur etwas über die Carmina Burana wissen wollen. Der
Minister antwortete: "Carmina Burana ist natürlich eine unserer
besten Sängerinnen in Spanien, die ich sehr bewundere."
Keineswegs soll die Anekdote
das Bildungsniveau spanischer Politiker infrage stellen, das dahinter
stehende Problem geht tiefer: In unserer Gesellschaft geht der Konsens
darüber verloren, welche Wissensgegenstände zu einem allgemein
anerkannten Bildungsbegriff gehören. Statt dessen rückt der
Zugang zu Wissen, der Umgang mit Wissen, das "Wissensmanagement" in
den Mittelpunkt pädagogischer Konzepte. Beschleunigt wird dieser
Prozess durch den Einzug der neuen Medien in die Schule.
Mir erscheint richtig, dass
jede Generation die Diskussion um bleibende Bildungsinhalte neu führt
und möglicherweise die Carmina Burana eines Tages tatsächlich
nicht mehr dazugehören. Mir erscheint aber
nicht richtig, angesichts der explosionsartig ansteigenden wissenschaftlichen
Erkenntnisse das Bemühen um ein allgemeines,
die Gesellschaft verbindendes Grundwissen gänzlich einzustellen.
Was Not tut, ist die Unterscheidung zwischen Bildung und Information.Nur
der Gebildete vermag eingeholte Informationen zu strukturieren und in
einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
Bildungspolitik kann deshalb
nicht nur darin bestehen, jeden Tag zu fragen, in wie vielen Klassen
ein PC steht oder wie viele Schulen sich schon mit einer eigenen Homepage
präsentieren oder ob wir wirklich in jedem Unterrichtsfach das
Recherchieren im Internet betreiben müssen. Der Erwerb von Kulturtechniken
und die Vermittlung von Grundfragen des menschlichen Lebens, etwa im
Literaturunterricht, in der Geschichte oder -nach wie vor besonders
geeignet- in den Alten Sprachen müssen zentraler Bestandteil des
Gymnasiums bleiben. Denn die Antworten, die Schüler dabei erfahren,
machen immun gegen manch modische Parole. Natürlich benötigen
wir heute hervorragend ausgebildete Naturwissenschaftler und Software-Ingenieure,
aber wir benötigen
zuallererst junge Menschen, die bereit sind, Verantwortung in der res
publica, also in den öffentlichen Angelegenheiten, zu
übernehmen und die sich des Werts -und der Gefährdung- von
Freiheit*bewusst sind.
Gunnar Grünke,
Verleger, C.C. Buchner Schulbuch -Verlag, Bamberg
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*Der
aus dem Amt scheidende Präses Manfred Kock setzte sich auf
der 51. Synode der Ev. Kirche im Rheinland kritisch mit den Anti-Terror-Gesetzen
auseinander und bezog sich dabei unter anderem auf die Vorbeugehaft,
die Kronzeugenregelung, die Rasterfahndung, die Anzeigepflicht für
Banken und das elektronische Belauschen. Das Schutzinteresse der Bürger
dürfe nicht so weit gehen, dass sich unser Gemeinwesen unmerklich
verändere und die Freiheit dabei zerstört würde.
Inzwischen
(Juni 2002) warnte sogar die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts
Jutta Limbach vor einer zu intensiven Datenerhebung: "Mehr denn
je wird der Informationshunger des Staates durch ein allgemeines Bedürfnis
nach Sicherheit ausgelöst."
Man
fühlt sich irgendwie an Aldous Huxley
("Brave New World") und an Eric Arthur Blair alias George
Orwell ("1984") erinnert. Beide Autoren haben in ihren Büchern
Visionen vom totalen Überwachungsstaat zum Ausdruck gebracht. Ihre
Prophezeiungen haben sich inzwischen schon lange durch den Einsatz von
Videoüberwachungsanlagen, Gesichtsscannern und Reisepässen
mit biometrischen Daten bewahrheitet. Auch die Mautbrücken der
Autobahnen bieten miittels Mobilfunk und Satellitenortung die technische
Möglichkeit totaler optischer Kontrolle.
* David Riesman schrieb bereits
1950 (!) in seinem Buch "Die einsame Masse": "Heute
ist der zukünftige Beruf jedes Kindes der des gelernten Verbrauchers."
Und er weist darauf hin, dass viele blindlings alles mitmachen, wozu
sie gerade animiert werden bzw. was man ihnen suggeriert.
Denken
und Nachdenken werden systematisch ausgeschaltet. Im letzten Dezennium
des vergangenen Jahrtausends kam, -man höre und staune-ausgerechnet
im Bildungssektor und von Bildungspolitikern verbreitet,der seltsame
Begriff "Kopflastigkeit" auf. Anstrengungen des Gehirns, sprich
schwierigere Denkprozesse sollten durch mehr praktisches Tun abgefangen
werden. Und wenn irgendein Meinungsmacher eine neue Idee von sich gibt,
springen leider immer wieder viele Lehrer unreflektiert, unkritisch
und voller Enthusiasmus sofort auf das Novum und finden das ganz "toll",
bis nach kurzer Zeit schon die Ernüchterung kommt, die man dann
aber totschweigt. Mittlerweile stellt Jürgen Baumert, der Direktor
des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin (= der
führende Mann bei der Durchführung der PISA-Studie), fest,
Video-Analysen hätten gezeigt, dass Denken keinen Platz im Unterricht
hätte. Da muss man sich doch fragen, wozu gibt es denn überhaupt
noch so etwas wie Schule? Siehe "Cogito,
ergo sum" unter "Baustelle Schule"
> 2. Zitat des Bundespräsidenten Rau.
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...und
Friede auf Erden
Zum Terroranschlag in den
USA (World Trade Center) am 11.9.2001 ein Beitrag von Pater Wolfgang
Jungheim, Lahnstein:
Das Entsetzen über
solche Brutalität, das Ablehnen solchen Terrors, das Trauern mit
den Opfern, das ist eine gute Gemeinsamkeit, macht deutlich, dass wir
dies nicht wollen, dass wir dies nicht akzeptieren. Ich bin dankbar
für diese Gemeinsamkeit. Die Ohnmacht gegenüber solchem blinden
Hass macht Angst, macht wütend und aggressiv, schreit nach Reaktion.
Wir müssen reagieren. Das ist unser aller Aufgabe. Es muss deutlich
werden in unserer Reaktion, dass Gewalt und Terror kein Weg sind, etwas
zu erreichen. Jedoch darf unsere Reaktion nicht zu den gleichen Mitteln
greifen. Das aber befürchte ich jetzt, wenn es um Rückschlag,
um Jagen gehen soll. Mir fehlt die Besinnung, das heißt die ernste
Frage, was tragen wir zu solchem Hass bei? Wo haben wir die anderen
so verletzt? Wo übergehen wir sie? Und es gibt wahrlich viel Unrecht
und Unfrieden, was auch wir mitverschulden. Ehrlichkeit ist gefordert...und
endlich Umkehr. Ich fürchte mich vor der Fortsetzung der Gewalt,
was diesen brutalen Tätern Recht gibt, denn dann ist ja nur mit
Gewalt und Gegengewalt etwas zu erreichen.
Als Christen hat uns Jesus
hier einen schwer verständlichen und schmerzlichen Weg gewiesen,
den der Feindesliebenden - das Schwert zurückzustecken; denn wer
zum Schwert greift, kommt auch durch das Schwert um. Er hat am Abend
vor seinem Verrat und Tod keinen Gegenschlag geplant, auch nicht gewünscht,
er hat sich als Brot und als Wein geschenkt; er will uns stärken
im Miteinander teilen und daran Freude schenken.
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Ist Beten noch ein aktuelles
Thema?
"Not lehrt beten" ist eine
alte deutsche Redensart, die sich immer wieder neu bestätigt. Bei
Naturkatastrophen, Flugzeugabstürzen, Schiffs-und Eisenbahnunglücken,
Terroranschlägen oder Amokläufen entdecken viele Menschen
das Beten neu, weil diese Ereignisse großes Aufsehen und Mitleid
erregen. Aber im alltäglichen Leben, wo bei uns selbst und in der
Welt nichts Besonderes passiert, vergessen wir oft das Gebet. Wir wiegen
uns in Sicherheit und glauben dank moderner Technik alles im Griff zu
haben, was sich immer wieder als große Täuschung herausstellt.
Dabei hätten wir in den Industrienationen allen Grund täglich
zu danken, weil wir eigentlich schon übersättigt sind und
das natürlich nicht nur auf die Nahrung bezogen.In der Kriegs-
und Nachkriegszeit waren die Gottesdienste gut besucht und je größer
der Wohlstand wurde, desto rückläufiger war das Interesse
an Kirche und Religion. In der heutigen Erlebnisgesellschaft müssen
schon besondere "Events" stattfinden, um die Leute für Kirche zu
interessieren. Nun aber zurück zum Gebet. Es gibt Morgen-, Mittags-(Tisch-)
und Abendgebete (> Glockenläuten als akustisches Signal). Außerdem
unterscheidet man verschiedene Formen des Gebets: Bittgebet (einschl.
Fürbittengebet), Dankgebet und Stoßgebet. Sprachlich betrachtet
ist ja das Wort "Gebet" mit dem Verb "bitten" verwandt. Bei der Passiv-Form
des Verbs merkt man das: Er wurde gebeten. Fürbittengebete
spricht man für andere,um die man sich Sorgen macht. Als Fürbitte
ist z. B auch die siebte Strophe des alten Abendlieds "Der Mond ist
aufgegangen" zu verstehen, in der es heißt "...und lass uns ruhig
schlafen und unsern kranken Nachbarn auch." [EG
482] Bitt- und Stoßgebete werden
sicher öfter praktiziert als Dankgebete, wobei es doch so ist,
dass wir Menschen uns doch auch freuen, wenn wir nicht nur um etwas
gebeten, sondern auch bedankt werden. "Danken" wiederum ist mit dem
Wort "denken" verwandt. Man denkt also daran, dass einem jemand etwas
Gutes getan hat.
Und
wie ist das im Hinblick auf Gott?- Wir erwarten von ihm sofortige Hilfe,
wenn wir ihn in Not anrufen und in der übrigen Zeit denken wir
gar nicht an ihn. Stoßgebete kennen wir vor allem aus dem Bereich
des Sports. Gelegentlich sieht man schon einmal, dass sich z.B. ein
Skispringer bekreuzigt und dabei vermutlich auch ein Stoßgebet
spricht wie auch wir es tun, wenn wir in einer brenzligen Situation
sind. Beim Beten ist sicher nicht die Gebetshaltung ausschlaggebend;
denn sie ist bei den verschiedenen Religionen ohnehin verschieden. Es
ist auch gleich, ob sich der Text reimt oder nicht, ob er kurz oder
lang ist. Entscheidend ist die Konzentration vor Gott. Das Gebet muss
auch nicht publikumswirksam sein. Es muss kein Auftritt, keine Präsentation
sein, um einmal Wörter aufzugreifen, die momentan immer wieder
im Zusammenhang mit der Erstellung von Homepages fallen, bei denen natürlich
alles möglichst optimal in Szene gesetzt wird. (Inzwischen finden
schon Wettbewerbe für "Webauftritte" nach dem Motto "Mehr
Schein als sein" statt.) Vor Gott brauchen wir unsere Schwächen
nicht hinter der Fassade zu verbergen. Er kennt uns. Er weiß,
ob wir Theater spielen oder nicht. Gott freut sich über das stille,
sich selbst zurücknehmende Gebet des verachteten Zöllners
im Tempel mehr als über das Gebet des Pharisäers, der sich
selbstgerecht über seine Mitmenschen erheben will. Er blickt demütig
nach unten. [Lukas 18, 9-14]. Jesus Christus selbst gab uns
mit dem Vaterunser ein Beispiel dafür, wie man beten kann. Der
im Hitlerreich bis zu seiner Hinrichtung mutig bekennende Pfarrer Dietr.
Bonhoeffer dichtete in seiner größten Not auch ein Gebet,
dessen siebte Strophe weiter unten abgedruckt ist. Ein schöner
Lobpreis ist auch der so genannte Ambrosianische Lobgesang, weil ihn
Ambrosius zusammen mit Augustinus verfasst haben soll: das Tedeum. Die
ursprüngliche Melodie gehört zu den ältesten Stücken
des Gregorianischen Chorals. Aber die großen Musiker vieler Jahrhunderte
haben die ursprüngliche Fassung zu großen Musikwerken ausgestaltet:
Henry Purcell, G.F. Händel, Haydn, Bruckner, Verdi und andere.
Am bekanntesten geworden ist das Tedeum des lange Zeit in Vergessenheit
geratenen großen französischen Barock-Komponisten Marc-Antoine
Charpentier, dessen Vorspiel zu seinem Tedeum in D-Dur seit dem Jahr
1954 durch die Eurovision europaweit bekannt wurde. Das Tedeum beginnt
mit den lat. Worten "Te Deum laudamus, te Dominum confitemur"
(Dich Gott loben wir, dich, Herr, preisen wir.) und endet mit "In te
Domini speravi non confundar in aeternum" (Auf dich, Herr, habe ich
meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.) [Übersetzung
aus dem Lateinischen im EG 191/GL 706]
Albert
Schweitzer
* 14.
1. 1875 in Kaysersberg
+ 4.
9. 1965 in Lambarene
Albert
Schweitzer
|
Albert
Schweitzer
Vielen jungen Leuten
sagt der Name heute schon nichts mehr, ist Albert Schweitzer, Sohn
eines Pfarrers, bereits 1965, also vor nunmehr 40 Jahren gestorben.
Dabei handelte es sich um einen vielseitig begabten Menschen, dessen
ganzes Leben von Humanität und Ehrfurcht vor dem Leben geprägt
war.
Geboren in Kaysersberg
im Oberelsass, zog die Familie noch in seinem Geburtsjahr nach Günsbach
um, wo Albert seine Kindheit verbrachte. Er erlernt das Orgelspiel
und begleitet schon als Siebenjähriger beim Gottesdienst den
Gesang. Als Kind hat er großes Mitleid mit den Tieren. Der
Anblick eines alten, hinkenden Pferdes, das ein Mann hinter sich
her zerrte, während ein anderer mit einem Stock auf es einschlug,
hat ihn wochenlang verfolgt. Ein anderes ähnliches Kindheitserlebnis
hat ebenfalls seine Einstellung zum Leben entscheidend geprägt.
Ein Nachbarjunge hatte ihn beredet an einem Sonntagmorgen mit ihm
auf Vogeljagd zu gehen. Obwohl er es eigentlich nicht wollte, ging
er mit. Doch als die Kirchenglocken zu läuten anfingen, dachte
er sofort an das Gebot «Du sollst nicht töten»,
warf die Schleuder weg und scheuchte die Vögel auf, dass sie
wegflogen und auch vor seinem Begleiter in Sicherheit waren. Neben
einem weiteren prägenden Erlebnis mit einem Hund, den er -ohne
es zu wollen- im Auge traf, beeindruckte ihn nachhaltig das Kennenlernen
eines Handelsjuden, der jedesmal, wenn er ins Dorf kam, von der
Jugend verspottet wurde. Albert hat sich davon distanziert und sagte,
er habe ihn bald gegrüßt und sei oft ein Stück Wegs
mit ihm gegangen. Von dessen verzeihendem Lächeln habe er gelernt,
was es heißt, in der Verfolgung still zu schweigen.
Nachdem er das Gymnasium
besucht hat, wird aus ihm ein fleißiger Student, der in Straßburg
Theologie und Philosophie studiert. Er nimmt Unterricht bei dem
großen französischen Organisten Charles Marie Widor.
1899 wird er zum Doktor der Philosophie und ein Jahr später
zum Doktor der Theologie ernannt. Unermüdlich ist er als Gelehrter
tätig, vergisst dabei aber nie sein geliebtes Orgelspiel. Aber
die ganze theoretische Arbeit befriedigt ihn nicht restlos. An seinem
30. Geburtstag fasst er den Entschluss, nach Afrika auszuwandern,
um dort den kranken Eingeborenen zu helfen. Er gibt sein bisheriges
gesichertes Leben als Theologie-Professor auf und fängt 1905
noch einmal ein neues Studium an, diesmal das der Medizin. Seine
Dissertation (Doktorarbeit) zum Abschluss des Medizinstudiums trägt
den Titel "Die psychiatrische Beurteilung Jesu". Während des
Medizinstudiums verdient er sich durch das Schreiben von Büchern
und durch Orgelkonzerte das Geld für die damals noch beschwerliche
Reise mit dem Schiff nach Afrika und für die Anschaffung der
notwendigen medizinischen Instrumente und Medikamente. 1913 verlässt
er mit seiner Frau Europa mit dem Reiseziel Lambarene in Gabun (Afrika).
Hier im feuchtheißen, sumpfigen Gebiet des Flusses Ogowe beginnt
für ihn eine eine mühevolle bauliche Tätigkeit, denn
es gibt nicht einmal ein Krankenhaus. Die ersten Patienten wurden
in einem Hühnerstall behandelt (Man denke an die total aseptischen
OPs unserer Zeit!). Seine ganze Liebe galt den Kranken. 1928 erhielt
er den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/Main und 1952 den Friedensnobelpreis.
Nachdem Albert Schweitzer im Januar 1965 noch seinen 90. Geburtstag
feiern konnte, starb er in den späten Abendstunden des 4. September. |
Dietrich
Bonhoeffer
* 4.2.1906
in Breslau
+ 9.4.1945
in Flossenbürg
(durch
Hinrichtung als
Widerstandskämpfer
gegen
das Hitler-Regime)
Das Leben ist
Gottes Ziel mit
uns.
D. Bonhoeffer
|
Von guten Mächten
wunderbar geborgen
erwarten wir getrost,
was kommen mag.
Gott ist mit uns am
Abend und am Morgen
und ganz gewiss an
jedem neuen Tag.
Alle
Strophen des Gedichts von D. Bonhoeffer im EG Nr. 65 !
Dietr.
Bonhoeffer hat sich in seiner Jugend viel in der Welt umgesehen.
Er war Vikar in Barcelona, 1930/31 während eines Studienjahres
an einer theologischen Hochschule in New York, 1933 als Pfarrer
der ev. Gemeinden in London, 1934 zum beratenden Mitglied des
"Ökumenischen Rates für praktisches Christentum" berufen
und im gleichen Jahr an der Ökumenischen Kirchenkonferenz
in Fanö (Dänemark) teilgenommen, 1939 auf einer Vorlesungsreise
in den USA. Im April 1943 wurde er zusammen mit seiner Schwester
und ihrem Mann im Haus seiner Eltern von der Geheimen Staatspolizei
verhaftet. Vom Gefängnis kam er dann in das Konzentrationslager
Buchenwald. Vor seiner Hinrichtung verabschiedete sich Pfr. Bonhoeffer
von seinen englischen Mitgefangenen mit den Worten: "Das ist
das Ende, für mich der Anfang des Lebens."
|
| Berühmt
geworden ist Dietrich Bonhoeffer mit seiner radikalen These vom
Ende der Religion. Zu dieser resignierenden Erkenntnis kam er
durch die Konfrontation des christlichen Glaubens mit der gewandelten
Wirklichkeit der Welt. So schreibt er in "Widerstand und Ergebung"
, seinen Briefen und Aufzeichnungen aus der Haft: "Die
Zeit, in der man alles den Menschen durch Worte -seien es theologische
oder fromme Worte- sagen könnte, ist vorüber; ebenso die
Zeit der Innerlichkeit und des Gewissens und das heißt eben
die Zeit der Religion überhaupt. Wir gehen einer völlig
religionslosen Zeit entgegen; die Menschen können einfach,
so wie sie nun einmal sind, nicht mehr religiös sein." |
Den "Prediger von Buchenwald"
nannten ihn die Mitgefangenen respektvoll: Paul Schneider, der regelmäßig
beim Morgenappell aus seiner Bunkerzelle Bibelworte und Durchhalteparolen
herausrief, bis man ihn -meist nach wenigen Sätzen- mit Peitschenhieben
und Faustschlägen zum Schweigen brachte. Sie war nicht totzukriegen,
diese Stimme des Gewissens mitten in der Hölle des Konzentrationslagers.
Mehr und mehr hat sich
der 1939 in Buchenwald ermordete evangelische Pfarrer Paul Schneider
zu einem ökumenischen Heiligen entwickelt. Im Zusammenhang
mit dem vom Vatikan erarbeiteten "Martyrologium des 20. Jahrhunderts"
-das ursprünglich auch Blutzeugen aus anderen Konfessionen
umfassen sollte- würdigte Papst Johannes Paul II. Schneider
schon zur Jahrtausendwende stellvertretend für sämtliche
evangelischen Opfer politischer und religiöser Verfolgung.
...
Schneider kam 1897 als
Sohn eines rheinischen Landpfarrers in der Gegend von Bad Kreuznach
zur Welt. Stramm national gesinnt, meldete sich der 18-Jährige
im Ersten Weltkrieg freiwillig an die Front, wurde in Russland verwundet
und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
In Gießen und Tübingen
studierte er Theologie. Zwischendurch arbeitete er in der Schwerindustrie
bei Dortmund, um das Leben der Proletarier kennen zu lernen. Als
Pfarrer in Hochelheim (Kreis Wetzlar) ging er bereits 1933 auf strikten
Konfrontationskurs zur braunen Bewegung.
Im Schaukasten der Kirchengemeinde
hingen plötzlich Artikel, die sich kritisch mit Joseph Goebbels
und Ernst Röhm auseinander setzten. Es waren Hitlers Herrenmenschentum
und Rassenwahn, die den Landpfarrer Schneider zum Widerstand trieben.
Auf der Kanzel stellte er freundlich klar: "Nun
bist du gefordert zum Bekenntnis, zum Zeugnis, liebe evangelische
Kirche, lieber evangelischer Christ. Nun sei kein stummer Hund."
Schneider
schickte die Predigt seinem Bischof. Doch statt seinem aufrechten
Pfarrer den Rücken zu stärken, versetzte der ihn in die
weltentlegene Diasporagemeinde Dickenschied im Hunsrück. Für
Schneider ein Glücksfall, denn dort standen die Menschen hinter
ihm -während sich das Düsseldorfer Konsistorium eilfertig
bei der Staatsgewalt für Schneiders "theologische Verbohrtheit"
entschuldigte, als der Pfarrer im Konfirmandenunterricht wieder
einmal demonstrativ auf den Hitlergruß verzichtet hatte.
Im
Juni 1937 wurde Schneider nach mehreren Gefängnisaufenthalten
aus dem Rheinland ausgewiesen. Er warf den Bescheid in den Papierkorb,
hielt seelenruhig seine nächste Predigt und teilte der Reichskanzlei
mit: "Ich weiß mich von Gott an meine Gemeinde verwiesen!"
Erneute Verhaftung, im November Einlieferung in das Konzentrationslager
Buchenwald. Weil er sich am 20. April 1938 ("Führers Geburtstag")
weigerte, die Hakenkreuzflagge zu grüßen, steckte man
ihn für 14 Monate in den Bunker.
Das
bedeutete Schlafentzug, Verdunkelung, bittere Kälte im Winter
und stickige Hitze im Sommer, Stockhiebe auf dem Bock, Aufhängen
an den nach rückwärts gedrehten Armen am Fensterkreuz.
Doch Schneider stärkte noch in dieser elenden Situation die
Mithäftlinge mit seinen tollkühnen "Sekundenpredigten".
Während
Paul Schneider im Bunker saß, traf sich sein kirchlicher Vorgesetzter
mit hohen Gestapo-Beamten und beriet über Maßnahmen gegen
unliebsame Pfarrer, welche die Gestapo aus dem Amt entfernt wissen
wollte. Ganz oben auf der Liste: Paul Schneider. Nun stand seiner
Entlassung nichts mehr entgegen.
Doch
er weigerte sich, eine Erklärung zu unterschreiben, er werde
über die Vorgänge in Buchenwald schweigen und sich der
Ausweisung aus dem Rheinland fügen. Darauf ermordete ihn der
Lagerarzt am 18. Juli 1939 mit einer Überdosis Strophantin.
An der Beerdigung in Dickenschied nahmen 200 evangelische Pfarrer
der Bekennenden Kirche aus allen Teilen des damaligen Deutsche Reiches
teil -und die katholische Nachbargemeinde.
Quelle:Christian
Feldmann in der Ev. Kirchenzeitung vom 16. März 2003
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Wenn wir das Wort "Advent"
hören, denken wir spontan an Adventskranz*und
Adventskalender (erster gedruckter Adventskalender im Jahr 1902 von
einem ev. Verlag in Hamburg) sowie an vorweihnachtliche Stimmung zu
Hause und in der Stadt. Die Stimmung ist jedoch durch Hektik hin und
wieder auch etwas gereizt, gilt es doch für jeden das passende
Geschenk zu finden, Plätzchen zu backen und mit den Kindern die
verschiedensten Weihnachtsfeiern zu besuchen.
Äußerlich gesehen
werden wir mehr als genug auf diese Zeit aufmerksam gemacht. Schon im
September werden in den Geschäften weihnachtliche Naschereien angeboten.
Jede Stadt, ja selbst jedes größere Dorf inszeniert einen
Weihnachtsmarkt, war dies doch noch bis vor wenigen Jahrzehnten auf
die Stadt Nürnberg beschränkt. Im Trubel der Menschen genießt
man mehr oder weniger das nostalgische Ambiente, das von einer solchen
Veranstaltung ausgeht. Es duftet nach Bratwürsten und gebrannten
Mandeln und vor Kälte frierend trinkt der eine oder andere einen
Glühwein. Man bestaunt die Auslagen und die stimmungsvolle Illumination
oder lauscht einem Chor, der weihnachtliche Weisen vorträgt. Smalltalks
werden gehalten, kleine Geschenke werden erstanden und schließlich
geht man mehr oder weniger zufrieden nach Hause. Die größeren
"eigentlichen" Geschenke wie etwa die aus der Elektronik- oder Textilbranche
werden an anderen Tagen gekauft. Ganz oben auf der Wunschliste sollen
nach Pressemeldungen bei vielen Erwachsenen und Kindern Artikel des
Multimedia - Sektors stehen, bei dem die Fülle des Angebots fast
erdrückend ist.
Nostalgische Erlebnisse seien
uns Menschen einer äußerst hektischen Zeit als Abwechslung
gegönnt, aber all das hat mit Advent nur wenig zu tun. Das lat.
Wort "adventus" für "Ankunft" muss aber immer im Zusammenhang mit
Christi Geburt, der Ankunft des Gottessohnes gesehen werden. (Das Wort
"adventus" allein könnte genauso gut im Zusammenhang mit der Ankunft
eines Zugs oder Flugzeugs gebraucht werden. ) Nur so wird die Bedeutung
der Adventszeit klar, die früher eine echte Vorbereitungszeit auf
das Weihnachtsfest war, an dem die Ankunft, sprich die Geburt Christi
gefeiert wurde.
Es bleibt zu hoffen, dass
wir im letzten Monat des Jahres nicht nur konsumieren und somit dem
Kommerz, der durch den e-commerce beachtlich ergänzt wurde, dienen,
sondern vielleicht auch einmal einen Tag oder wenigstens eine Stunde
finden, wo wir innerlich zur Ruhe kommen und uns in aller Stille auch
einmal Gedanken über Sinn und Krise dieser festlichen Zeit machen.
Lassen wir uns doch durch die Lichterketten und -sterne an das Licht
der Welt -wie Jesus sich selbst einmal bezeichnete- und seine Botschaft
erinnern.
Kirchlich betrachtet stellt
der Advent den Anfang des Kirchenjahres, des kirchlichen Jahreskreises
dar. Er ist wie die Passionszeit (>Fastenzeit) eine Bußzeit. Die
liturgische Farbe ist das Violett.
wj
*Der
erste Adventskranz hing in Hamburg. Der Bahnbrecher der Inneren Mission
und Begründer des "Rauhen Hauses" in Hamburg, Johann Hinrich Wichern,
schrieb in sein Tagebuch über eine Andacht am ersten Advent des Jahres
1838: "Um den Lobesspruch an der Orgel waren 23 bunte Wachslichte aufgestellt.
Mit jeder neuen Verheißung wurde eines der Lichte angezündet..."
Aus diesem anfänglichen Brauch des Anzündens aller Kerzen an
einem Tag entwickelte sich dann die Sitte, die Andacht in die dunklere
Vorabendzeit zu verlegen. Dabei wurde auf dem Kronleuchter des Saales
vom ersten Advent an mit jedem Tag ein Licht mehr angezündet.
Der
Tannenkranz wird zum ersten Mal im Jahr 1851 erwähnt. "Es ist nichts
weiter als ein einfacher Tannenkranz, den der Kronleuchter trägt
und auf dem Kranz brennt das erste Licht, weil heute der erste Adventstag
ist und morgen brennen schon zwei und übermorgen drei..."
Heute
brennen im Hamburger "Rauhen Haus" noch immer 24 Kerzen, vier große
weiße für die Adventssonntage und für die Wochentage kleinere
rote Lichter.
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Was üblicherweise obligatorisch
zu Weihnachten zu gehören scheint, sind Christbaum und anderer
Weihnachtsschmuck, eine festliche Beleuchtung mittels echter oder zunehmend
elektrischer Kerzen, weihnachtliche Musik sowie Kerzen- und Tannenduft.
Neben dem Verzehr von Plätzchen steht kulinarisches Essen auf dem
Speiseplan.
An dieser Stelle soll einmal
die weihnachtliche Musik,speziell das weihnachtliche Lied, betrachtet
werden. Weltweit gesehen gibt es Hunderte, ja Tausende von Weihnachtsliedern
(engl. Carols, franz. Noels etc.) in allen möglichen Sprachen.
Trotz großer Mobilität und globaler Kommunikation haben sich
längst nicht alle Lieder überall durchgesetzt. Das ist nur
einigen gelungen und zwar den Liedern, die eingängige Melodien
haben.
Blickt man auf die Anfänge
weihnachtlicher Musik zurück, stößt man zunächst
auf den Gregorianischen Choral, worunter man den einstimmigen, in lateinischer
Sprache gesungenen Choralgesang der katholische Kirche versteht, der
auf Papst Gregor d. Gr. (590 - 604) zurückgeführt wird. Musikalisch
unterscheidet man dabei Lektionen (d.h. Lesungen im Sprechgesang), Chorgesänge
(Antiphonen, Psalmen, Hymnen, Sequenzen), Sologesänge (Graduale,
Tractus, Alleluia, Responsorien). Antiphonen sind kurze, meist der Heiligen
Schrift entnommene Sätze als Einleitung in den Psalm. Man differenziert
zwischen syllabischem (silbenweisem) und melismatischem Stil, bei dem
mehrere Noten auf eine Silbe kommen. In seinem Ausdruck ist der Choral
an die Liturgie und das Wort gebunden. Der Melodik liegen die so genannten
Kirchentonarten (z.B. dorisch) zu Grunde.
Einer der ältesten
weihnachtlichen Gesänge dürfte die Antiphon "Puer natus
est nobis" sein:
Die Lieder des späten
Mittelalters sind in lateinischer Sprache geschrieben ("Resonet
in laudibus", 14. Jhdt. oder "Quem pastores laudavere", 15. Jhdt.) bzw.
halb lateinisch, halb deutsch ("In dulci iubilo, nun singet und
seid froh", 14. Jhdt. oder "Puer natus in Bethlehem", 14./15. Jhdt.).Sie
wurden in der Kirche zum Lob der Geburt Christi gesungen. Besonders
in der Mitternachtsmesse bildeten sie einen Teil der Liturgie; denn
die Feier der Weihnacht war ein rein kirchliches Fest (ganz im Gegensatz
zu heute), zu dem sich die Gemeinde im Kirchenraum versammelte.
Die Lieder endeten oft mit dem Ruf "Kyrie eleison" ("Herr, erbarme dich")
und gingen unter dem Sammelbegriff "Leisen" in die Musikgeschichte ein
[>Gelobet seist du, Jesus Christ, EG
23/GL 130].
Ab dem 16. Jahrhundert entstanden
zahlreiche deutsche Lieder:
- Vom Himmel hoch da komm
ich her/Martin Luther (T.: 1535, M.: 1539)
- Lobt Gott, ihr Christen
alle gleich/Nikolaus Herman (T.: 1560, M.: 1554)
- Es ist ein Ros entsprungen
(T.: 1587, M.: 1599)
Im 19. Jahrhundert kamen
unzählige volkstümliche Lieder hinzu, die man nicht ins Gesangbuch
aufnahm bzw. die man zwischenzeitlich aus dem Gesangbuch herausnahm,
um sie in der neuen Gesangbuch-Ausgabe wieder aufzunehmen, weil sie
trotzdem weiterhin gern gesungen wurden.
Beispiele hierzu sind "Stille
Nacht, heilige Nacht", "Herbei, o ihr Gläubigen", "Kommet, ihr
Hirten" und "Freu dich Erd' und Sternenzelt".
Ein Lied aus dem 19.
Jahrhundert jedoch war schon in vorhergehenden Ausgaben des ev. Gesangbuchs
enthalten, nämlich "O du fröhliche".
Dieses ursprüngliche Marienlied "O Santissima,...Madre nostra Maria"
wurde in Italien schon im 18. Jahrhundert gesungen, dann von Italien
(Sizilien) nach Deutschland "exportiert" und mit einem deutschen Text
versehen. Die genaue Geschichte und Entwicklung dieses Lieds ist
so komplex, dass sie einer eigenen Darstellung bedarf. Am Anfang des
20. Jahrhunderts gab es übrigens auf die gleiche Melodie ein Oster-
und ein Pfingstlied ("O du fröhliche, ...Osterzeit; Welt lag in
Banden, Christ ist erstanden").
Den historischen Hintergrund
des 1818 von Pfarrer/Coadjutor Josef Mohr (Text) und Lehrer Franz Gruber
(Melodie), der gleichzeitig Organist in Oberndorf bei Salzburg war,
geschriebenen Lieds "Stille Nacht" wird
jeder kennen.
Das Lied "Herbei,
o ihr Gläubigen" (lat. Text "Adeste
fideles") EG 45
und GL 143
-hier allerdings mit dem neuen Text "Nun freut euch, ihr Christen"-,
das wie "Stille Nacht" weltweite Verbreitung erfahren hat und in verschiedene
Sprachen übersetzt worden ist, tauchte in den 1740er Jahren in
den englischen Katholikengemeinden auf. Über seine Herkunft, die
bis ins Ende des 17. Jahrhunderts zurückreicht, ist viel diskutiert
worden. Die lateinische Ursprungsversion soll jedenfalls aus Portugal
stammen. Für die Zeit um 1790 wird das "Adeste fideles" einem Abbé
namens Jean Francois Borderies zugeschrieben. Für gewöhnlich
gilt allerdings der Choralkopist John Francis Wade (1711 - 1786) als
Verfasser. Dank seines katholischen Ursprungs und seines lateinischen
Textes fand das Lied bald große Verbreitung. Im 19. Jahrhundert
übersetzte es F. Oakeley (1802 -1880) ins Englische. Die erste
deutsche Übersetzung "Herbei, o ihr Gläubigen" aus den Jahren
1823 - 1826 stammt von Friedrich Heinrich Ranke (1798 - 1876), der Pfarrer
in Rückersdorf bei Nürnberg und Professor in Erlangen war.
Heute wird der Choral in Deutschland, England, Amerika, Frankreich,
Italien und anderswo gleichermaßen gesungen, jeweils in der eigenen
Landessprache.
Bei
"Kommet, ihr Hirten" und "Freu dich Erd' und Sternenzelt" handelt es
sich um weihnachtliche Weisen, die in Böhmen entstanden sind.
Im
ausgehenden 20. Jahrhundert -fast zeitgleich mit der Einführung
des Euro als Währung- begann dann eine Europäisierung des
Weihnachtslieds. Sie wird z.B. deutlich an dem französischen Noel
"Les anges dans nos campagnes" / "Engel
haben Himmelslieder", das sich nicht nur
in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern
durchgesetzt hat, weil es sehr melodisch und schwungvoll ist. Der in
allen Übersetzungen gleich gebliebene lateinische Refrain -Teil
"Gloria in excelsis Deo" strahlt französisches Temperament aus.
Das alte französische Lied stammt aus dem 18. Jahrhundert, aber
in Frankreich wie in Deutschland gibt es leider mindestens drei verschiedene
Textvarianten.
Englischsprachige
profane Weihnachtslieder wie "We wish you a Merry Christmas" oder "Jingle
Bells" (auch ins Deutsche übertragen) schallen einem in jedem Kaufhaus
und in der Werbung entgegen -ganz gleich ob vokal oder instrumental.
Das mehr geistlich orientierte wohlklingende "Hark,
the herald-angels sing" nach einer Melodie
von Felix Mendelssohn-Bartholdi wurde auch ins Deutsche übertragen,
ist allerdings nicht ganz so populär wie die beiden vorher genannten
englischen Lieder.
****************************************************************************
Trost
in der Finsternis?
Das
Weihnachtsfest ruft bei den Menschen die verschiedensten Assoziationen
hervor. Dieses in europäischen Breiten in der dunklen Jahreszeit
liegende Fest ist aber auch immer mit Emotionen verbunden, die von überspringender
Freude bis hin zu Melancholie und Depression gehen können.
Dass
über der Krippe auch das Kreuz steht, haben Maler wie Musiker früherer
Jahrhunderte in Bildern wie in der Musik ausgedrückt. Der Maler
Rogier van der Weyden hat kaum sichtbar in seinem Weihnachtsbild am
Stall über dem Christuskind ein kleines Holzkreuz angebracht und
der Heiligenschein des Neugeborenen hat die Form eines Kreuzes. Joh.
Seb. Bach lässt mitten im Jubel seines Weihnachtsoratoriums das
Lied "Wie soll ich dich empfangen?" auf die Melodie von "O Haupt voll
Blut und Wunden" singen, ein stiller Hinweis auf das bevorstehende Leiden
und den Tod.
Wie
man im Weihnachtsevangelium lesen kann, sollen die Engel den Menschen
zugerufen haben: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden...".
Blicken
wir uns aber in der Welt um, dann merken wir, dass wir davon weit entfernt
sind. Friede herrscht leider oft erst auf dem Friedhof. Streit, Hass
und Krieg, Konfrontation und Provokation statt Verständigung prägen
auch an diesem Weihnachtsfest das Bild unserer Erde (im Großen
wie im Kleinen) und von einem Weltfrieden sind wir selbst 2000 Jahre
nach Christi Geburt weit entfernt und das sogar in den Städten
Bethlehem und Jerusalem. Die Stadt Jerusalem müsste eigentlich
eine Stadt des Friedens sein, bedeutet doch das arabische Wort "Salem"
genau wie das hebräische Wort "Schalom" Friede.
pax
* pace * paz * peace *
paix
Nicht
allen Menschen in Deutschland und in der Welt wird nach Singen und Weihnachtsjubel
zumute sein, seien sie selbst oder Angehörige schwer verletzt oder
krank und vielleicht unter Schmerzen leidend, seien sie behindert (wie
z.B. Blinde, die den Weihnachtsschmuck nicht sehen, oder Taube, die
die weihnachtlichen Klänge nicht vernehmen können), seien
sie in Trauer versunken, einsam und verlassen, dann ist Ihnen vielleicht
ein Versprechen, das Christus gab, dessen Geburt wir ja an Weihnachten
gedenken, ein Trost.
Im
Zusammenhang mit dem Missions- und Taufbefehl sagte er zu seinen Jüngern:
"...ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." [Matth.
28,20].
wj
ANNO
DOMINI
ZUM
NEUEN JAHR
(Eduard
Mörike)
In
Ihm sei's begonnen,
der
Monde und Sonnen
an
blauen Gezelten
des
Himmels bewegt.
Du,
Vater, Du rate.
Lenke
Du und wende.
Herr,
Dir in die Hände
sei
Anfang und Ende,
sei
alles gelegt.
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Fastnacht,
Fasching oder Karneval*
Je
nachdem, wo man in Deutschland wohnt, feiert man Fastnacht, Fasching
oder Karneval. Im Mainzer Raum spricht man von Fastnacht, in Bayern
(und auch in Österreich) von Fasching und in der Köln-Düsseldorfer
Region von Karneval.
Die
Fastnacht ist bei der kath. Kirche die Festzeit vor der mit Aschermittwoch
beginnenden Fastenzeit, die im weiteren Sinn mit dem Dreikönigsfest
oder schon am 11.11. um 11.11 Uhr des Vorjahres beginnt. In evangelischen
Gegenden war sie durch Reformation, Aufklärung und Pietismus stark
eingedämmt, erfreut sich aber seit Jahrzehnten auch hier steigender
Beliebtheit. Man muss allerdings streng differenzieren zwischen dem
Feiern der Fastnacht und dem Verstehen der eigentlichen Fastenzeit.
Selbst Leute, die keiner christlichen Kirche angehören, also konfessionslos
sind, machen beim fastnachtlichen Klamauk mit und es sind derer nicht
wenige, die Fastnacht feiern und den geschichtlichen Hintergrund gar
nicht kennen. Den Angehörigen der Spaßgesellschaft genügt
die Ablenkung, der pure Spaß.
Die
Fastenzeit ist in der kath. Kirche seit dem 4. Jahrhundert die 40-tägige
Vorbereitungszeit (Aschermittwoch bis Karsamstag) auf das Osterfest.
Bei den 40 Tagen zählen die Sonntage nicht mit, weil Christen an
jedem Sonntag des Jahres die Auferstehung Jesu Christi feiern. [Die
Zahl 40 hat einen historischen Bezug in der Bibel: Das Volk Israel wanderte
40 Jahre durch die Wüste, Moses weilte 40 Tage auf dem Berg Sinai
und Jesus hielt sich 40 Tage in der Wüste auf, um sich durch Fasten
und Gebet auf seine Sendung vorzubereiten.] In diesen 40 Tagen fasteten
früher die kath. Christen, d.h. es wurde weniger gegessen. Heute,
d.h. seit dem apostolischen Erlass, den Papst Paul VI. im Februar 1966
herausgab, sind Fasten und Abstinenz nur noch an Aschermittwoch und
Karfreitag verpflichtend. Am Aschermittwoch, dem ersten Tag der
Fastenzeit, wird den Gläubigen während der Messe als Zeichen
der Buße ein Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet. Dabei wird
gesprochen: "Gedenke Mensch, dass du aus Staub hervorgegangen bist
und zum Staub zurückkehren wirst." Der Brauch ist vermutlich
von Papst Gregor I. eingeführt worden und ist seit der Synode von
Benevento 1091 üblich. Der lateinische Name "dies cinerum" (Aschentag)
ist erstmals aus dem 8. Jahrhundert überliefert.
In
der ev. Kirche spricht man übrigens nicht von der Fasten-, sondern
von der Passionszeit [J.S. Bach > Johannes- und Matthäuspassion].
Bei evangelischer und anglikanischer Kirche gelten andere Arten des
Fastens, wobei vor allem der Aspekt der Buße betont wird.
Der
Sonntag vor Ostern, also der Sonntag, mit dem die Karwoche beginnt,
heißt Palmsonntag(>Palmarum). In Erinnerung an den Einzug
Jesu in Jerusalem werden an diesem Tag in der kath. Kirche Palmzweige
gesegnet und auch Prozessionen veranstaltet.
Traditionell
gesehen wird während der Fastnacht die Ordnung auf den Kopf gestellt.
Elemente davon haben sich bis heute in der Einsetzung von Narrenregierungen
oder beim Aushändigen der Rathausschlüssel an Narrenzünfte
erhalten.
Der
Rosenmontag hat notabene nichts mit Blumen (Rosen) zu tun. Der
Name soll eine Umdeutung des lateinischen Worts "rorarii" (rosarii)
sein. Genau übersetzt müsste er "rasender Montag" heißen
und diese Bedeutung wird beim Dialekt einiger Regionen Deutschlands
klar, bei dem man statt des Verbs "rasen" das Wort "rose" gebraucht.
Und "rose" ist hierbei gleichbedeutend mit "toben, ausgelassen sein".
Geht
man in die vor- und frühchristliche Zeit zurück, so gibt es
auch noch Manches zu entdecken.- Die Griechen und Römer huldigten
dem Gott des Weins (gr.: Bakchos u. Dionysos, lat.: Bacchus). In Rom
beging man Anfang Januar (Saturn) die Saturnalien: Ein Mann aus dem
Volk wurde zum König gewählt (>Faschingsprinz) und mit großem
Prunk und Gefolge führte er Prozessionen auf Schiffswagen (carrum
navale) durch. Das waren auf Räder gesetzte geschmückte Schiffe.
Die Rosenmontagsumzüge erinnern noch daran. Auf diesen Schiffswagen
wurden Bilder der Götter mitgeführt. Die frühen Christen
um 200 - 300 n. Chr. nahmen nicht daran teil. Ein römischer Legionär
namens Dasius wurde von seinen eigenen Soldaten im Jahr 303 hingerichtet,
weil er ihre Wahl zum Prinzen Karneval abgelehnt hatte. Er ging als
Märtyrer in die Kirchengeschichte ein. Das Erbe der römischen
Legionäre aber blieb in Deutschland besonders in den Garnisonsstädten
Köln und Mainz erhalten. Zu diesem römischen Element gesellte
sich in Deutschland ein germanisches: das Maskentreiben zur Abschreckung
von Dämonen.
Ob
man nun an dem weltlichen Karnevalstreiben teilnimmt oder nicht, hängt
sicher vom Naturell eines jeden Menschen ab. Nicht jeder ist eine rheinische
Frohnatur. Was man aber nicht vergessen sollte, ist die eigentliche
Bedeutung der Fasten- oder Passionszeit als eine geistliche Vorbereitungszeit
auf das auf Karfreitag folgende Osterfest.-
*carni
vale dicere = dem Fleisch Lebewohl sagen, also kein Fleisch essen
P.S.:
Fast auf der ganzen Welt wird heute "Hallowe'en"
gefeiert, weil dieses Fest der Spaß-
und Erlebnisgesellschaft entgegenkommt und mit ihm gleichzeitig eine
neue Marktlücke zwischen Sommerschlussverkauf und Weihnachten entdeckt
worden ist. In Kindergärten wie in Discos ist im wahrsten Sinne
des Wortes die Hölle los. Die Freunde des Gruselig-Schaurigen verkleiden
sich am 31. Oktober jedes Jahres -also am Reformationstag-
als Vampire, Hexen, Skelette und Gespenster und wissen leider in den
meisten Fällen nicht, wo dieser Brauch seine Wurzeln hat.
Die
Zeremonien dieses Abends gehen zurück auf heidnische Riten der
Kelten, die Anfang November ihr Neujahrsfest begingen. Bereits vor Tausenden
von Jahren verabschiedeten sich die Druiden Ende Oktober vom Sommer
und feierten die Herrschaft des Todesfürsten "Samhain", der während
des Winters regierte. Nach Meinung der Kelten öffneten sich in
jener Oktobernacht die Gräber, Geister zogen umher und suchten
diejenigen aus, die im nächsten Jahr sterben würden. Um den
Tod in die Irre zu führen, verkleideten sie sich. Bei den Iren
wurde es dann Brauch, Rüben -"jack-o'-lantern" genannt- auszuhöhlen
und von innen zu beleuchten, die im Dunkeln furchterregend aussahen.
Irische Auswanderer brachten den Brauch dann Mitte des 19. Jahrhunderts
in die Vereinigten Staaten von Amerika. Hier nahm man statt Rüben
ausgehöhlte Kürbisse (pumpkins) - heute natürlich in
Plastik erhältlich. Mitte der 90-er Jahre des 20. Jahrhunderts
schwappte die Spuk-Welle schließlich über den "großen
Teich" von den USA nach Europa zurück. Wenn Kinder zu Hallowe'en
in den USA oder in England an den Haustüren klingeln, rufen sie
"Trick or treat!". Bekommen sie Süßigkeiten, ziehen sie weiter;
wenn nicht, necken sie die Erwachsenen oder strecken ihnen die Zunge
heraus. Die US-Amerikaner müssen heute an diesem Tag leider nicht
selten mit ernsteren Schäden, z.B. an Häusern oder Autos,
rechnen, was hier in Deutschland zur so genannten Hexennacht auch vorkommen
kann.
Wortursprung:
hallowed evening = der Abend vor All Hallows/All Saints' Day (Allerheiligen).
Papst
Gregor IV. christianisierte im Jahr 837 das heidnische Fest und verfügte,
dass am Termin des keltischen Fests zu Ehren "Samhains" festgehalten
wurde und Tote geehrt werden sollten. Allerheiligen und Allerseelen
wurden eingeführt.
Übrigens:
Nicht jeder, der sich am Hallowe'en-Abend hinter einer Maske versteckt,
geht am anderen Tag auf den Friedhof, um eine Kerze auf dem Grab eines
Verstorbenen anzuzünden.
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Die Fasten-
bzw. Passionszeit endet mit den Kartagen. Dem Karfreitag geht
der Gründonnerstag voraus, der an das letzte Abendmahl vor
dem Todestag Jesu erinnert. Wegen des folgenden Karfreitags als Kreuzigungstag
ist bereits der Gründonnerstag ein Tag der Trauer. Daher verstummen
nach dem Gesang des Gloria am Gründonnerstag Orgel wie auch Kirchenglocken
und ertönen erst wieder am Ostersonntag. Das Rufen zum Gottesdienst
erfolgt in diesen drei Tagen durch Messdiener bzw. Kinder, die mit Holzklappern
oder Ratschen durch die Straßen ziehen. Blumenschmuck und Kerzen
werden entfernt, das Ewige Licht wird bis Ostern gelöscht. "Grün"
wird zwar oft in Zusammenhang gebracht mit dem Brauch, an diesem Tag
etwas Grünes wie z. B. Grünkohl zu essen. Wahrscheinlich ist
aber das althochdeutsche Wort "greinen" für heulen/weinen bzw.
wehklagen namensgebend gewesen.
"Kar" leitet
sich ab von dem althochdeutschen Wort "chara" und dem mittelhochdeutschen
Ausdruck "kar" für Klage und Trauer sowie dem gotischen Wort "kara"
für Sorge. Im Englischen kennen wir heute noch das Wort "care"
für Kummer, Sorge.
(Präsentation des Fotos
mit freundlicher Genehmigung durch Herrn Topp)
Im
Jahr 1996 kehrte das Ölgemälde eines unbekannten Meisters
des späten 17. Jahrhunderts ins St. Vincenz-Krankenhaus von Limburg
an der Lahn zurück, das Kunsthändler Hans-Jürgen Topp
dem Krankenhaus schenkte. Seitdem hängt das Bild in der Kapelle
des Krankenhauses.
Das
97 cm hohe und 75 cm breite Werk war während der Abrissarbeiten
des alten St. Vincenz-Hospitals vor damals 30 Jahren gefunden worden.
Das Bild lag verschmutzt und zerstört in einem Container und das
Motiv war kaum erkennbar. Man vermutet, dass das Gemälde im Schwesternhaus
des alten Krankenhauses hing. Das Bild war im Laufe der Jahrhunderte
mehrfach überstrichen worden. Die Restaurierungsarbeiten brachten
schließlich ein überraschendes Ergebnis zutage: Das Motiv
zeigt die Kreuzabnahme Jesu, wie sie in den Evangelien beschrieben wird.
Demnach hat Joseph von Arimathia, ein jüdischer Ratsherr, mit Erlaubnis
des römischen Prokurators Pontius Pilatus den Leichnam Jesu vom
Kreuz abgenommen. Dabei anwesend waren Maria und Maria Magdalena und
andere Frauen, nach Joh. 19,18 f. auch Nikodemus, ein Pharisäer.
Der Bildtradition entsprechend hat der Maler zu Füßen des
Kreuzes die niedergesunkene Mutter Jesu platziert. Joseph von Arimathia
ist links als würdiger alter Mann wiedergegeben. Jesus wird nicht
als ein dem Verfall anheim gegebener toter Körper gezeigt. Der
vom Licht grell beleuchtete keinesfalls in sich zusammengesunkene Leichnam
zeigt Erhabenheit. Ein qualvolles Sterben am Kreuz ist nicht das Thema.
Variantenreich sind die Einzelfiguren in einer Dreieckskomposition ins
Bild gesetzt. Das Kreuz nimmt dabei die zentrale Bildmitte ein. Dramatisch
ist die Situation mit Hilfe des Lichts geschildert. Die Dunkelheit des
Hintergrunds zieht nach rechts ab und weicht der Helligkeit des neuen
Tages (Karfreitag > Ostern). So weit die Beschreibung des Gemäldes
nach Dr. G. Hefele.
Über
die künstlerische Bedeutung hinaus übermittelt das Bild natürlich
eine religiöse Botschaft und das Thema Tod und Auferstehung Christi
hat sicher gerade in einem Hospital seine Berechtigung und bei der Aufhängung
des Bildes in der kleinen Kapelle hat man auch daran gedacht, dass dieses
Gemälde Patienten und Angehörigen Hoffnung geben kann. Nicht
alle, die in dem Krankenhaus als Patienten oder Besucher verweilen,
werden den sakralen Raum aufsuchen, aber er hat für den, der ihn
betritt, inmitten des Klinik-Alltags eine eigene, besondere Ausstrahlung.
Die wenigen Ordensschwestern des Krankenhauses, die heute wie die Computer-Spezialisten
aus Indien kommen, versammeln sich hier zur Andacht. In St. Vincenz
hängen sogar noch Kreuze über den Türen der Patientenzimmer
und es ist erfreulich, angesichts leidender Menschen vielleicht sogar
symptomatisch, dass sie akzeptiert oder zumindest toleriert werden.
Kreuze sieht man natürlich nicht so gerne, aber -um auf das Gemälde
zurückzukommen- das Kreuz steht zwar im Zentrum des Bilds; viel
wichtiger jedoch ist der Hintergrund, der vom Dunkel des Karfreitags
zum Hellen des Ostertags übergeht*, von der Traurigkeit zur österlichen
Freude.-
*Dies
wird besonders bei dem Schwarzweiß-Foto deutlich.
Der
bekannte Komponist Ludwig van Beethoven hat sich übrigens
im Zusammenhang mit seiner zunehmenden Taubheit, die ja für einen
Musiker besonders belastend ist, mit folgenden zum Nachdenken stimmenden
Worten geäußert:
wikipedia
Beethoven
und das
Mit
den Kreuzen im Leben ist es wie mit den Kreuzen in der Musik. Sie
erhöhen.
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Ostern
Neben Weihnachten
ist wohl Ostern das bekannteste christliche Fest, das sich wegen der
Ostereier und Osterhasen auch noch kommerziell nutzen lässt. Während
Heiligabend und Weihnachten immer an den gleichen Tagen (24. - 26. Dezember)
gefeiert werden, hängt der Termin des Osterfestes von Frühlingsanfang
und Mond ab. Das Fest wird seit dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.)
alljährlich am Sonntag nach dem ersten Vollmond gefeiert, der dem
Frühlingsanfang folgt. Ostern ist das älteste und wichtigste
Fest der Christenheit. Während die Juden den siebten Wochentag,
den Sabbat als siebten Schöpfungstag feiern, soll der Sonntag als
erstem Tag der Woche die Christen an die Auferstehung Jesu erinnern.
Schon die alten Germanen hatten den Sonntag als Tag der Verehrung ihrer
Sonnengottheiten gewählt (Vergl. "Sonntag"!). Der Name des
Auferstehungsfests war vor der Christianisierung der Germanen die Bezeichnung
für ein heidnisches Frühlingsfest (althochdeutsch: ostarun,
mittelhochdeutsch: osteren) und eine heidnische Frühlings- und
Fruchtbarkeitsgöttin, die in altenglischen Texten den Namen "Eostrae"
trägt. "Eoastrae" ist wiederum mit dem griechischen Wort "eos"
für die Morgenröte (Vergl. auch "Osten", also dort, wo die
Sonne aufgeht). Die germanische Göttin war demnach eine Göttin
für das zunehmende Licht im Frühling.

Die Germanen
verehrten zahlreiche Götter und veranstalteten ihnen zu Ehren Feste.
Ihr Frühlingsfest war ein Auferstehungsfest, bei dem sie die Auferstehung
der Natur feierten. (Als das Christentum zu uns kam, ging es nicht mehr
um die Auferstehung der Natur, sondern um die Auferstehung Jesu.) Sie
glaubten, dass im Winter die Natur sterbe und im Frühling von der
Göttin "Ostara" (germanisch), wie "Eostrae" (angelsächsisch)
manchmal auch genannt wird, zu neuem Leben erweckt werde. Aus Dankbarkeit
opferte man ihr bunte Hühnereier, weil sie als Symbol für
keimendes Leben galten. Diese Bedeutung hatte das Ei übrigens schon
bei den Ägyptern, Griechen und Römern. Bereits vor 5000 Jahren
sollen die Chinesen zum Frühlingsbeginn Eier rot angemalt haben,
um die Sonne zu ehren. Bei den Christen wiederum gilt Rot als die Farbe
für Märtyrerblut, Sonne und Liebe. Der Hase war wegen der
vielen Jungen, der Fruchtbarkeit, ihr Lieblingstier. Im Laufe der Zeit
entstand das Märchen vom eierlegenden Osterhasen. Die vermutlich
älteste Darstellung eines >Oster<hasen findet man auf dem Osterbild
in einer Pergamenthandschrift des alten Speyerer Dombuches aus dem Jahr
1343, wo neben einem Huhn und einem Lamm ein aufrecht stehender Hase
zu sehen ist. 1508 hat ein Speyerer Domherr in seinem Haushaltsbuch
Hasen und Hühner aufgeschrieben, die ihm zu Ostern als "Osterzins"
geschickt worden waren. (Nach altdeutschem Gesetz war es üblich,
Pacht und Steuern in Form von Eiern bzw. Hühnern und Hasen zu entrichten.)
Schriftlich erwähnt wird die Geschichte vom Osterhasen und der
Brauch im Elsass und den angrenzenden Gebieten erstmals um 1680 (1678
oder 1682?) in einem Bericht des Heidelberger Medizinprofessors Georg
Franck mit dem Titel "De ovis paschalibus - von Oster-Eyern", wonach
der Osterhase die Eier legt und sie anschließend versteckt. Im
christlichen Sinn ist das Ei ein Auferstehungssymbol: Die Schale ist
das Grab, aus dem neues Leben hervorkommt.
©
Carroll E. Whittemore Trust
Osterlamm:
Das Lamm ist das klassische Opfertier des Alten Testaments. Das Osterlamm
ist geschichtlich zurückzuführen auf das Ritual der Juden,
zum Gedenken an Gott am Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu essen.
Die weiße Farbe des Lammfells steht für die Reinheit, das
friedvolle Verhalten des Lamms soll ein Vorbild für den Menschen
sein. In der christlichen Kirche wird das Osterlamm mit der Fahne als
dem Zeichen des Sieges über den Tod dargestellt.
Osterfeuer:
Das Osterfeuer steht als Symbol für die Sonne. Es wird zu Beginn
der Liturgie in der Osternacht vor der Kirche entzündet und geweiht.
Am Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet, die dann mit dreimaligem
Singen des "Lumen Christi" (Licht Christi) in das noch dunkle Gotteshaus
getragen wird.- Im Weserbergland lässt man am ersten Ostertag einer
alten heidnischen Sitte folgend brennende Räder vom Berg rollen.
Osterbrunnen:
In der Fränkischen Schweiz gehört seit Anfang des 20. Jahrhunderts
zum österlichen Brauchtum auch das Schmücken von Brunnen.
Dieser Brauch hat keine christliche Bedeutung. Der Hauptgrund für
das Schmücken von Brunnen bzw. Quellen ist die Bedeutung des Wassers
als lebensspendendes Element der wasserarmen Hochebene der Fränkischen
Alb. Dem Schmücken des Osterbrunnens geht eine gründliche
Reinigung der Wasseranlage, das "Brunnenputzen", voraus. Als Schmuck
dienen ausgeblasene Eier, inzwischen auch Eier aus Plastik. Die mit
den Eiern behängten Girlanden und Fichtenzweige werden um den Brunnentrog
gewunden und zu riesigen Kronen geflochten. Häufig wird der Brunnen
noch mit lebenden Frühlingsblumen geziert.
Ev.
Kirche Klingelbach
|
Kath.
Kirche Katzenelnbogen
|
Der Hahn auf
den meisten Kirchturmspitzen erinnert an die Verleugnung Jesu durch
Petrus: "Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben.
(Matth. 26, 34) Unterhalb des Hahnes sieht man oft ein verziertes Kreuz
zur Reminiszenz an Golgatha.
Außer
im Deutschen gibt es den Begriff "Ostern" nur noch im Englischen (
Easter). Die anderen europäischen Sprachen haben das Wort aus dem
kirchenlateinischen Ausdruck "pascha" (Vergl. hierzu die Ostersequenz
"Victimae paschali laudes"!) entlehnt: Pâques (französisch),
Pasen (niederländisch), Pasqua (italienisch), pascua (spanisch),
pask (schwedisch) usw. Das lateinische Wort "pascha" geht ursprünglich
auf das jüdische Passahfest (Pessach) zurück, das am Abend
des ersten Frühlingsvollmonds begangen wird, also in zeitlicher
Nähe zum christlichen Osterfest liegt. Beim Passahfest denken die
Juden an die Befreiung der Israeliten von der ägyptischen Knechtschaft
und den Auszug (Exodus) aus Ägypten.
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Ostern gibt dem Leben
Tiefe
Kernaussagen
einer früheren Osterpredigt von Bischof Franz Kamphaus, Limburg
Die Verdrängung des
Todes und die Fixierung auf den irdischen Teil des Lebens führt
zu einer "Halbierung" des Lebens und einer panischen Angst davor, ohne
künstliche Sicherung ins Nichts zu fallen. Schon hoffen viele mit
Hilfe der Gentechnik die eigene Unsterblichkeit sichern zu können.
In der Erlebnisgesellschaft
dreht sich alles ums Leben, das immer besser, immer intensiver sein
soll, aber ausschließlich auf die engen Grenzen der eigenen Interessen
und Bedürfnisse ausgerichtet ist. So von der Sonnenseite des Lebens
gefangen werden viele nur schwer damit fertig, dass der Tod und das
Böse zur Realität des Lebens gehören. Die Macht des Bösen
ist nicht aus der Welt herauszuträumen, auch nicht hinauszubomben.
Kennzeichnend für den christlichen Glauben ist, dass er weder Gewalttätigkeit
noch Bosheit und Tod verdrängt, sondern sich mutig damit auseinandersetzt.
Der Karfreitag ist an Ostern nicht vergessen. Über Jesu Grab ist
kein Gras gewachsen. Im Tod, am tiefsten Punkt menschlicher Existenz,
geschieht der Durchbruch. Nicht als menschliche Erfindung und Fortschrittstat,
sondern aus Gottes schöpferischer Treue, die neues Leben schenkt,
das dem Tod gewachsen ist. Ewiges Leben meint nicht die Fortsetzung
des Gehabten, von der jene träumen, die alles haben und nicht mehr
im Sinn haben als ihre private Seligkeit. Ostern heißt nicht,
dass es ewig so weitergeht, Ostern heißt neuer Mensch und neue
Schöpfung. Dabei kommen vor allem die auf der Strecke Gebliebenen
zu ihrem Recht. Mit Ostern ist das dunkle Geschäft des Todes ein
für allemal bankrott. Ostern gibt dem Leben Tiefe.
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Kultur
des Lebens oder Lebenskult?
Bischof
Franz Kamphaus, Limburg
Als
eine "Erlebnisgesellschaft" hat unlängst ein Soziologe die Gesellschaft
der Bundesrepublik Deutschland beschrieben. Quer durch alle Milieus
und Schichten gibt es einen Nenner, der uns vereint: Wir wollen etwas
erleben, wir wollen unser Leben auskosten. Unser Lebenshunger ist längst
zum Gegenstand des Marktes geworden. Die Fitnesswelle
rollt, die Gesundheitsbranche boomt. Jung, dynamisch, gesund - das ist
Leben, wie es uns in Werbespots und von Plakatwänden entgegentritt.
Was
aber, wenn es einmal nichts zu erleben, sondern nur zu erleiden gibt?
Wenn man nicht fit und "gut drauf" ist, man nicht mehr mithalten kann?*
Ist
dann Leben nichts mehr wert?
Wo
Leben zum Selbstzweck wird und sich die Lebenslust zur Lebensgier wandelt,
wird der Mensch zum Gejagten seiner eigenen Ansprüche. Bei dieser
Jagd bleiben viele auf der Strecke, werden Opfer des Lebensstils der
vermeintlich Starken. Wo Leben zum Privileg der Reichen, der Tüchtigen,
der Mobilen und Gesunden wird, breitet sich Unmenschlichkeit aus.
In
seiner neuen Enzyklika "Evangelium vom Leben" stellt Papst Johannes
Paul II. fest, dass die Menschheit am Scheideweg steht. Sie muss sich
entscheiden zwischen einer "Kultur des Todes" und der "Kultur des Lebens".
Gerade die so genannten hoch entwickelten Gesellschaften sind in ihrer
Lebensgier von der Kultur des Todes gefangen.
Geblendet
von der Sonnenseite des Lebens verschließen sie vor der Schattenseite
die Augen. Was immer wir an Ablenkungsmanövern inszenieren,
Leben und Tod, Lebenslust und Lebenslast lassen sich nicht voneinander
trennen.
Wer
glaubt, alles im Leben sei machbar, wird schnell über Leichen gehen.
Er
muss bekämpfen, was sein Leben stört.
In
den Händen der Macher wird das Leben verfügbar, besonders
ganz am Anfang und am Ende. Die Menschenwürde wird angetastet,
eingeschränkt und begrenzt von denen, die das Sagen haben. Wer
grenzenlos leben will, begrenzt die Existenz vieler anderer.
Ostern
stellt uns ein anderes Bild vom Leben vor Augen. Auch Jesus
geht es um Gesundheit, Glück und Lebensfreude. Hätte er sonst
Kranke geheilt oder den Wein geschätzt? Aber er möchte
den Menschen nicht ein kurzweiliges "high life" schenken. Er möchte
ihnen helfen, das ganze Leben zu bewältigen, auch die Tiefen des
Leidens und des Todes.
Leben
ist nicht nur Freude und Glück, sondern ständig gefährdet,
von Angst begleitet, allemal sterblich. Jesus ist nicht "wie ein
junger Gott" darüber hinweggegangen. Jesus am Karfreitag: Das ist
nicht der dynamische Gipfelstürmer, sondern der gebeugte Mann unter
dem Kreuz. Das Stolpern und Niederfallen bleibt ihm nicht erspart. Er
wird ans Kreuz geschlagen, stirbt für uns. An diesem tiefsten Punkt
seiner Existenz setzt die größte Offenbarung Gottes ein.
Jesus, der sich nicht gierig ans Leben klammerte, sondern es hingab
für die anderen, er wird von Gott mit neuem Leben beschenkt. An
dieser Unsterblichkeit haben wir durch ihn ein für allemal teil.
Unsterblichkeit
heißt nichts anderes, als dass wir das Leben bis zum letzten Atemzug
immer noch vor uns haben. Wer jetzt nicht alles haben muss, weil ihm
das Beste immer noch bevorsteht, verliert die Angst zu kurz zu kommen.
Er hat Zeit, sich anderen zuzuwenden, besonders denen, die leer ausgehen.
Das Kreuz im Rücken und Ostern vor
Augen werden wir reif zur Solidarität mit den Schwachen und den
Ausgeschlossenen. Nur mit ihnen und nicht
gegen sie kann eine Kultur des Lebens wachsen und uns alle bereichern.
*Hierzu
ein Beispiel, von dem in einem Brief der Krebsgesellschaft zu
lesen war:
"Normalerweise
sind sportliche Leistungen kein Problem für mich, doch
an diesem Tag hat mich die Anstrengung einfach umgehauen. Mir
war total schwarz vor den Augen. Im Klinikum haben sie mir eine
Blutprobe entnommen. Am nächsten Morgen kamen drei Ärzte
zu mir ins Zimmer und sagten mir, dass ich Leukämie hätte.
Ich dachte: O Gott, das darf doch nicht wahr sein, ich bin doch
erst 19 und habe noch das ganze Leben vor mir!"
Wie
Markus (19) werden Jahr für Jahr rund 2000 Kinder und Jugendliche
durch die Diagnose Krebs mitten aus ihrem Alltag gerissen. Statt
Schule, Sport und Spaß bestimmen Untersuchungen und Therapien
den Tagesablauf. Heimlicher Begleiter ist die Angst vor medizinischen
Eingriffen und vor Schmerzen, aber auch die Angst sterben zu
müssen.
MEDIA
VITA IN MORTE SUMUS
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Himmelfahrt und Pfingsten
|
Ascendens
Christus in altum. Alleluia, alleluia.
|
Christi Himmelfahrt
(>"Vatertag" - Das Wandern an diesem Tag geht auf die so genannten
Flurumgehungen zurück, mit denen in vielen Regionen am Himmelfahrtstag
der Gang der Apostel nachgestellt wurde.) und auch Pfingsten sind zunächst
einmal die Feiertage, die kommerziell gesehen nicht so lukrativ sind
wie Weihnachten und Ostern. Sie werden großenteils zum Wandern
und für Kurzurlaube genutzt.
Das Himmelfahrtsfest wird
immer 40 Tage nach dem Osterfest an einem Donnerstag gefeiert. Christus
wurde im Beisein der Apostel zum Himmel emporgehoben und eine Wolke
entzog ihn ihren Blicken. In der Apostelgeschichte
1,1-14 wird von einer konkreten Himmelfahrt Christi
berichtet, andere Stellen (z.B. 1. Petrus 3, 22)
betonen die theologische Dimension als ein Zeichen dafür, dass
sich seine Mission erfüllt hat. [Bei dem Phänomen der Himmelfahrt
handelt es sich um die weit verbreitete Vorstellung von einer Himmelfahrt
der Seele. Voraussetzung dieser Himmelfahrtsvorstellungen, denen die
Hölle als Gegenstück entspricht, ist ein Weltbild, das Himmel,
Erde und Unterwelt als Grundelemente der Welt betrachtet.]
Die
kath. Kirche kennt noch das Fest der Himmelfahrt Mariens (Mariae
Himmelfahrt, 15. August). Die leibliche Aufnahme der Mutter Jesu ist
seit 1950 katholischer Glaubenssatz.
Pfingsten
ist
aus dem griechischen Wort (pentekoste)
entstanden und bedeutet ganz schlicht und einfach "fünfzigster",
weil es am siebten Sonntag (dem 50. Tag) nach Ostern zur Erinnerung
an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die in Jerusalem versammelten
Apostel gefeiert wird. Das Fest wird als Zeitpunkt für die Spendung
der Taufe angesehen und gilt als der "Geburtstag" der Kirche. Das Pfingstfest
bildet den Abschluss des Osterfestkreises und ist seit dem 3. Jahrhundert
bezeugt. In der Kunst wird die Ausgießung des Heiligen Geistes
oft so dargestellt, dass Maria inmitten der Apostel steht und über
ihren Köpfen Feuerzungen und die Taube als Symbol für den
Heiligen Geist zu sehen sind.
Nach
kirchlicher Lehre ist der Heilige Geist in die Welt gesandt worden,
um Wort und Werk Jesu zu erhalten. Er gilt als der Heiligende, der die
Kirche und ihre Gläubigen führt und leitet.
Der
Heilige Geist (Spiritus Sanctus) ist im christlichen Glauben neben Gott,
dem Vater, und Christus, dem Sohn, die dritte Person der Trinität,
der Dreifaltigkeit. Der Begriff "trinitas" wurde im 2. Jahrhundert
von dem lateinischen Theologen Tertullian geprägt.
Der
Heilige Geist wird in der Bibel oft durch Symbole
dargestellt:
Markus
1, 10 : Taube
als Zeichen für Versöhnung und Frieden
Apostelg.
2 : Wirbelwind
für die Stärke
Apostelg.
2 : Feuerzungen*
als Zeichen der religiösen Ekstase
*Die
liturgische Farbe für das Pfingstfest ist daher das Rot.
Erwähnenswert
ist noch das pfingstliche Sprachenwunder. Die Gabe des Heiligen Geistes
befähigte die Jünger, in fremden Sprachen zu reden.
Apostelgeschichte
des Lukas 2,1-8:
Als der
Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen wie wenn ein
heftiger Sturm heranjagt und erfüllte das ganze Haus, in
dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer,
die sich zerteilten und auf jeden von ihnen setzten. Alle wurden
mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden
Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem
aber wohnten Juden, fromme Männer aus vielen Völkern
der Welt. Als dieses Brausen begann, strömte die Menge
zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie
in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen
und sagten: "Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache verstehen?" |
| P.S.:
Im Jahr 1906 enstand in Los Angeles die so genannte Pfingstbewegung.
Sie strebt durch die "Geisttaufe" ein Leben christlicher Vollkommenheit
an. |
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Mitten
im Leben vom Tod umgeben
Solange
es Menschen und andere Lebewesen wie Tiere und Pflanzen auf der Erde
gibt, sind wir nicht nur mit dem Leben, sondern auch mit dem Tod konfrontiert.
Das bringt die Antiphon "Media vita in morte sumus,
quem querimus adiutorem..." aus dem 11. Jahrhundert deutlich zum Ausdruck.
Der lat.Text wurde ins Deutsche übertragen und man findet das Lied
unter EG 518 und
GL 654: "Mitten
wir im Leben sind von dem Tod umfangen. Wer ist, der uns Hilfe bringt,...?"
Das Lied ist so aktuell wie vor 1000 Jahren, als es entstand. Die im
Liedanfang gemachte Feststellung bedarf selbst in unserer innovationsfreudigen
Zeit keiner Erneuerung.
Der
Tod kann plötzlich (Unfall, Mord) oder langsam durch Krankheit
eintreten. Er kann sanft, aber auch schrecklich sein. Auch das Lebensalter
spielt dabei keine Rolle. Gott sei Dank, dass keiner vorher weiß,
wann und wie er stirbt, wann seine letzte Stunde schlägt. Das Leben
würde unerträglich in Erwartung des Tages X und alle Lebensfreude
wäre genommen.
In
früheren Jahrhunderten wurde das Thema Tod -im Gegensatz zu heute-
nicht tabuisiert. Man war sich der zeitlichen Begrenztheit bewusster
als heute und akzeptierte sie auch eher als in der gegenwärtig
stark außengeleiteten Zeit, in der Status - Symbole unabdingbar
sind. Außerdem wurde das Sterben nicht aus den eigenen vier Wänden
hinausverlagert in Altenheime und Kliniken. Die überwiegende Mehrheit
der Bevölkerung möchte zu Hause sterben, tatsächlich
aber sterben die meisten Menschen im Krankenhaus.
Der
Soziologe R. Gronemeyer von der Universität Gießen schildert
den Wandel in unserer Gesellschaft folgendermaßen: "Hatte der
Arzt in früherer Zeit beim Sterbenden nichts mehr zu suchen, wird
heute der beruhigende weiße Kittel den trostlosen und ratlosen
Gesichtern der Angehörigen vorgezogen; denn eine religiöse
Zuversicht haben sie nicht mehr zu bieten. Der Tod wird nicht mehr als
Erfüllung des Lebens, sondern als Skandal begriffen. Die Familie
hat gelernt unzuständig zu sein. Und in der wirtschaftlich orientierten
Welt werden Menschen, die nicht mehr konsumieren können, als Entsorgungsfälle
betrachtet."
Früher
hing in manchen Krankenhäusern der lateinische Spruch "MEDICUS
CURAT - DEUS SANAT" aus, der einerseits in gewisser Hinsicht auf die
Begrenztheit der ärztlichen Kunst und andererseits auf die Hilfe
Gottes hinwies. Solch einen Hinweis wird man in unserer Zeit des scheinbar
alles Machbaren vergeblich suchen.
In
manchen Kliniken werden heute bereits die Überlebenschancen schwer
kranker Patienten an Hand der verschiedenen Parameter per Computer ermittelt,
um sagen zu können, ob sich der Einsatz der Intensivmedizin noch
lohnt oder ob ein Abbruch der Therapie sinnvoller erscheint. Früher
konnte das ein erfahrener Arzt auch ohne Hightech beim bloßen
Anblick des Patienten entscheiden und die Frage ist: Wie human ist die
Humanmedizin heute noch?
Alles
ist im Umbruch, so auch Grabkultur und Bestattungsbranche: In der Antike
lagen die Gräber außerhalb der Stadt, die Christen beerdigten
ihre Toten lange Zeit rund um die Kirche. Mit dem Entstehen der bürgerlichen
Gesellschaft verlagerten sich die Friedhöfe weg von den Kirchen.
Die Grabstätten wurden individueller, ja sie gaben sogar Auskunft
über die soziale Stellung der Verstorbenen. In unserer Zeit gibt
es wieder Veränderungen: Die Zunahme der Feuer - Bestattungen und
der anonymen Bestattungen ohne Grabstein ist symptomatisch für
die Gegenwart. Man differenziert heute sogar zwischen Krematorium und
Flamarium und denkt darüber nach, die Bestattungsgesetze so zu
ändern, dass auch Beerdigungen ohne Sarg oder die Aufbewahrung
sterblicher Überreste in Privaträumen ermöglicht werden.
Da der Trend -wie bereits erwähnt- immer mehr in Richtung Feuerbestattung
geht, sei hier noch eine Kuriosität genannt: In Chile hat man Särge
mit einer Alarmglocke eingeführt, um lebendig Begrabene, also Menschen,
die nur scheintot waren, eine Möglichkeit zu geben, sich bemerkbar
zu machen. Im Krematorium müsste sich der Pseudo-Leichnam allerdings
beeilen, die Alarmglocke zu bedienen, um nicht lebendig verbrannt zu
werden, was einer Horror-Vision gleichkommt.Selbst sprachlich haben
sich Veränderungen ergeben, die hoffentlich nicht von langer Dauer
sind. Der Bundesverband des Bestattungsgewerbes bediente sich -dem Zeitgeist
angepasst- der Wörter "funeral master" (=Bestattungsunternehmer)
und "peace box" (=Sarg), wobei diese Ausdrücke im Englischen zumindest
bisher nicht existieren. Das Wort "Handy" kennt ja in den angelsächsischen
Ländern auch niemand. In echtem Englisch heißt der Bestatter
nämlich sehr vielsagend "undertaker", was ein Deutscher eher mit
Unternehmer übersetzen würde und in der Tat ist er es ja nun
auch. Um der Konkurrenz standhalten zu können, werden inzwischen
schon individuell angefertigte Särge, so genannte Designer-Särge,
angeboten, die in der künstlerischen Gestaltung z. B. Bezug auf
Beruf, Interessen oder das Alter des Verstorbenen nehmen und nicht mehr
so düster wirken wie bisherige Modelle. Farbe kommt ins Spiel.
Bei einigen Anbietern kann man bei den Särgen sogar zwischen verschiedenen
Kunststilrichtungen auswählen. Für Fußballfans werden
sogar Särge und Urnen in den Vereinsfarben angeboten. In der Stunde
des Abschieds besteht also für die Angehörigen noch ein letztes
Mal die Möglichkeit, gesellschaftlichen Rang, Ansehen und Wohlstand
oder die Vereinszugehörigkeit zu demonstrieren. Wie man sieht,
kommt es heute leider bis zum bitteren Ende auf Äußerlichkeiten
an.
Neuerdings
bestattet man Tote ja auch wieder (man denke an die in vielen
Wäldern aufzufindenden Hügelgräber aus grauer Vorzeit)
im Wald und spricht von Friedwäldern oder z.B. in Anlehnung an
den Begriff "Metropole" von "Wald - Nekropolen". Bei der Bestattung
im Wald kann die Asche in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln
eines Baumes anonym oder mit einer Namensplakette beigesetzt werden.
Der Fantasie sind offenbar keine Grenzen gesetzt.Dem Tod geht ja meistens
ein kürzeres oder längeres Leiden voraus und wir neigen dann
doch zu der Frage: Wie kann Gott so etwas zulassen? Weder auf Leiden
noch auf Tod können wir mit menschlichen Maßstäben
gemessen eine Antwort geben und schon im Alten Testament wird
uns bei Jesaja 55
gesagt: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind
nicht meine Wege." Für viele Menschen ist der Friedhof eine
Sackgasse und nicht für alle ist der "Totensonntag" ein "Ewigkeitssonntag",
wie er auch bezeichnet wird.
Gerade
in unserer schnelllebigen Zeit sollte uns
ein Spruch aus dem Buch Hiob zu
denken geben: "Der Mensch von der Frau
geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine
Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. ...
Er hat seine bestimmte Zeit; ... du hast ein Ziel gesetzt, das wird
er nicht überschreiten."
|
Unruhig
ist unser Herz, bis es ruht in dir, mein Gott.
Augustinus
|
wikipedia
Georg Friedrich
Händel (1685 - 1759)
Wie
intensiv die Menschen in vergangenen Jahrhunderten glaubten, beweist
ein Wunsch des großen deutsch-englischen Komponisten Georg
Friedrich Händel: "Ich möchte am Karfreitag sterben, in
der Hoffnung mit meinem Heiland am Tag seiner Auferstehung vereint zu
werden."
Tatsächlich
starb er am Karsamstag des Jahres 1759 an den Folgen eines Schlaganfalls.
Die ehrenvolle Beisetzung erfolgte in der Westminster Abbey, London.*
Die Grab-Inschrift aus einer Messias-Arie lautet: "I know that my Redeemer
liveth (and that He shall stand at the latter day upon the earth)."
[Ich weiß, dass mein Erlöser lebt (und dass er erscheint
am letzten Tag dieser Erde).]
*Duplizität
der Ereignisse: Auch die englische "Queen Mum" starb an einem Karsamstag
(30. März 2002). Die Trauerfeier fand zwar in Westminster Abbey
statt (Dienstag, 9. April), die Beisetzung erfolgte allerdings am gleichen
Tag in der St George's Chapel des Schlosses Windsor.
wikipedia
Johann
Sebastian Bach (1685 - 1750)
Auch
Johann Sebastian Bach, der schon als 10-Jähriger Vollwaise
war, hat trotz mancher Schicksalsschläge nie den Glauben verloren.
(Vergl. hierzu auch Max Planck !) Für
ihn war jegliche Art von Kunst -wie eben auch die Musik- Gottesdienst.*
So schrieb er an den Anfang seiner Werke oft die Buchstaben J.J. (JESU
JUVA = Jesus hilf !) und an das Ende der Komposition die Buchstaben
S.D.G. (SOLI DEO GLORIA = Alllein Gott zur Ehre), womit er seine christliche
Haltung dokumentierte. Kurz vor seinem Tod diktierte er -inzwischen
erblindet- seinem Schwiegersohn Johann Christoph Altnikol ein Choralvorspiel
zu dem Lied "Wenn wir in höchsten Nöten sein", über das
er seinen Schwiegersohn den Titel "Vor deinen Thron tret ich hiermit"
schreiben ließ.
(Im Bach-Werke-Verzeichnis hat diese Komposition die Nummer BWV 668.)Zu
Bachs Lebenszeit gab es zwei Texte zur gleichen Melodie, nämlich
"Wenn wir
in höchsten Nöten sein" [EG 366]und "Vor deinen Thron tret
ich hiermit". Hier die erste Strophe des heute nicht mehr bekannten
zweiten Textes:
Vor deinen
Thron tret' ich hiermit
o Gott und
dich demütig bitt:
Wend dein
genädig Angesicht
vor mir betrübtem
Sünder nicht.
*In seiner
Generalbass-Lehre schreibt er: "Und soll wie aller Music, also
auch des General-Basses Finis (=ZIel) und End-Ursache anders nicht als
nur zu Gottes Ehre und Recreation des Gemütes sein. Wo dieses nicht
in acht genommen wird, da ist's keine eigentliche Music, sondern ein
teufliches Geplärr und Geleier."
J.S. Bach-Zitat
über G.F. Händel: "Das ist der einzige, den ich sehen
möchte, ehe ich sterbe und der ich sein möchte, wenn ich nicht
Bach wäre."
*
22.3.1903 in Beuthen
+
11.12.1942
in
Berlin
(durch
Freitod)
|
Jochen
Klepper ( Schriftsteller und Theologe) - 100. Geburtstag
J. Klepper war Sohn eines
protestantischen Pfarrers und studierte in Breslau und Erlangen
Theologie. 1931 heiratete er die um 11 Jahre ältere aus einer
jüdischen Familie stammende Witwe Johanna Stein, geb. Gerstel,
die die beiden Töchter Brigitte und Renate mit in die Ehe brachte
und zog nach Berlin um. Durch die sich verschärfende Judenverfolgung
geriet auch seine Familie unter Druck. Er verurteilte den Antisemitismus,
ging jedoch nicht in den Widerstand, sondern verlegte den
Glauben in die Innerlichkeit. Als im Dezember 1942 die Deportation
bevorstand, beging er zusammen mit seiner Frau und der Tochter Renate
Selbstmord. (Die ältere Tochter war rechtzeitig nach England
emigriert.)
Er dichtete zahlreiche
Kirchenlieder, von denen heute mehrere im EG abgedruckt sind: EG
16, 50, 64, 208, 239, 379, 380, 452, 453, 457, 486 und 532
Mit seinen melancholischen
Liedtexten versuchte er, Gott selbst im Leiden zu loben und
was ihm in der Not half, formulierte er einmal so:
"...in
Bach bin ich geborgen und gegründet wie in Luther." |
Zum
Abschluss noch eine Äußerung des Schriftstellers Siegfried
Lenz zum Thema "Mitleid". In seiner "Rede an die Jugend"
mahnte Lenz einen Blick für das Leid anderer an. Mitleid zu empfinden
sei ein Antrieb für Veränderung. Statt der Vision von globaler
Weltverbesserung riet er zu Pragmatismus: "Löse das, was du in
deiner Welt zum Besseren verändert haben möchtest, zunächst
in deiner Nähe, an deinem Ort; es wird im Sinn des Ganzen wirken."
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Wolfgang Jakupka
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