Sankt
Martin
am
Stadttor von Amiens
Martinslied
aus dem Rheinland
Sankt Martin, Sankt
Martin,
Sankt Martin ritt durch Schnee
und Wind,
sein Ross, das trug ihn fort
geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem
Mut,
sein Mantel deckt ihn warm und
gut.
Im Schnee saß,
im Schnee saß,
im Schnee da saß ein armer
Mann,
hatt' Kleider nicht, hatt' Lumpen
an.
O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittre Frost mein
Tod.
Sankt Martin, Sankt
Martin,
Sankt Martin zieht die Zügel
an,
das Ross steht still beim armen
Mann.
Sankt Martin mit dem Schwerte
teilt
den warmen Mantel unverweilt.
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Die Legende von Sankt
Martin
Schon mit fünfzehn
Jahren war Martin als einfacher Soldat in das Heer des römischen
Kaisers eingetreten. Mutig und stark im Kampf, freundlich
und hilfsbereit zu den Besiegten, bescheiden und aufrichtig
seinen Kameraden gegenüber, so lebte Martin im Heer
und gewann ebenso schnell viele Freunde wie hohes Ansehen.
Er war noch keine zwanzig Jahre alt, als ihn der Kaiser
zum Tribun, zum Hauptmann einer Abteilung römischer
Soldaten ernannte. Mit seiner Legion zog Martin von Land
zu Land, denn überall erhoben sich Völker gegen
die Herrschaft der Römer. Die römischen Legionen
mussten sie mit Schwert und Feuer immer wieder unter die
Botmäßigkeit ihres Kaisers zwingen.
Eines Tages zog Martins Legion
in der Stadt Amiens ein. Es war Herbst; ein schneidend kalter
Wind pfiff über die kahlen Felder. Die Soldaten sehnten
sich nach einem warmen Herd und marschierten schneller durch
das Stadttor. Dort am Stadttor hockte hungernd und frierend
ein halbnackter, alter Bettler. Vor Kälte schlugen
seine Zähne klappernd aufeinander und mit zitternder
Stimme bat er um eine milde Gabe. Aber die Soldaten marschierten
mit festem, schnellem Schritt an ihm vorbei. Sie würdigten
ihn keines Blickes. Nun wollte auch Martin an der Spitze
seiner Abteilung in die Stadt einziehen. In seinem reich
verzierten, langen roten Mantel ritt er auf seinem Pferd.
Da sah er den frierenden und hungernden Bettler. Zum Erstaunen
seiner Soldaten hielt Martin sein Ross an, stieg ab und
schritt auf den Bettler zu, der seine Hände erhob und
um eine Gabe bat. Martin blickte ihn an und zog dann sein
Schwert. Die Soldaten blieben stehen und starrten ihren
Tribun an. Was wollte er? Warum zog er gegen einen wehrlosen
Bettler sein Schwert? Martin hielt nun mit der linken Hand
die eine Hälfte seines roten Mantels weit von sich
und trennte sie mit seinem scharfen Schwert ab. Die abgeschnittene
Hälfte warf er schnell dem Bettler zu.
Der Alte wollte sich bedanken
und Martins Knie umklammern, aber schon saß Martin
wieder auf seinem Pferd und ritt seinen Soldaten voran in
Amiens ein.
Nach
Hans Heinrich in "Lesebuch 3", S. 66, Klett-Verlag
Zur
Information
Martin
wurde 316 in Sabaria (Ungarn) als Sohn heidnischer Eltern
geboren und 371 zum Bischof von Tours gewählt; er starb
am 8. November 397 in Candes und wurde am 11.November (>
Martinstag!) in Tours bestattet.
Neben
dieser bekannten Legende gibt es noch eine, in der berichtet
wird, dass der bescheidene Martinus nicht Bischof werden wollte
und sich deswegen in einem Gänsestall versteckt hielt.
Die Gänse sollen aber durch ihr lautes Geschnatter das
Versteck verraten haben und müssen deshalb seither für
ihren Verrat büßen (Brauchtum der Martinsgänse).
Beim
Klick auf das Bild von St. Martin ist ein weiteres von Kindern
gern gesungenes Lied zu hören.
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Wolfgang Jakupka
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