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Ich
erzähle Ihnen Geschichten zum Schmunzeln.
Wussten Sie,
dass schon die Römer den Computer kannten?
| Nein, nicht
so wie Sie denken. Die Technik gab es natürlich noch nicht. Aber der Begriff
war bereits geboren. |  | computare
= rechnen computator
= Rechner computus
= Berechnung der Zeit, vor allem des Osterfestes |
Das englische
Wort "computer" ist also der lateinischen Sprache entlehnt! |
Vorsicht
Virus-Gefahr! Auch
der Virus war schon vor 2000 Jahren in Rom bekannt: virus
= a) Schleim, b) Gift,
c) der salzige Geschmack des Seewassers
Multimedia
und multimedial - alles schon da gewesen! multi
(subst)= viele Multiplikation
= das Vervielfachen/Malnehmen, Multimillionär
= der vielfache Millionär multikulturell
= viele Kulturen betreffend ...
medium (subst)
= Mitte, auch: Öffentlichkeit mediator
= der Mittler, Vermittler Optionen
optio =
freier Wille, freie Wahl Der
Begriff "Option" hat im Laufe der Zeit eine Bedeutungserweiterung erfahren. Man
versteht darunter die Wahl einer bestimmten Staatsangehörigkeit und im Rechtswesen
die Voranwartschaft auf den Erwerb oder die zukünftige Lieferung einer Sache.
In neuester Zeit taucht das Wort häufig im Zusammenhang mit der Errichtung
von Ganztagsschulen auf. | Zurück
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Ein
denkwürdiges Erlebnis im Leben des früheren Bundesministers
Dr. Norbert Blüm
in dessen unverwechselbarer blumiger Sprache |
Beerdigungsmessdiener
Von Beerdigungen verstehe ich etwas.
Schließlich war ich vier Jahre Beerdigungsmessdiener. Das war eine heiß
begehrte Position, denn es gab bei Vormittagsbeerdigungen schulfrei und - ob Vor-oder
Nachmittagsdienst - fast immer ein Trinkgeld, wahrscheinlich pietätvoller
als "Trauerhonorar" bezeichnet. Kein Wunder, dass ich meine Stelle gegen nachwachsende
Messdienergenerationen und Konkurrenz aus wohl verstandenem Eigeninteresse zäh
verteidigt und jeden fremden Anspruch auf Stellung und Trinkgeld zurückgeschlagen
habe. Ich könnte meine
Stelle als Friedhofsmessdiener noch haben, hätte ich meiner Friedhofskarriere
nicht selber mit einer übermütigen Dummheit das Bein gestellt.
Die Rollen im Beerdigungstrio
waren fest verteilt. Reinhold am Kreuz, Karl im Besitz des Weihrauchschiffchens,
ich amtierender Weihrauchschwenker. An
jenem Tag unseligen Angedenkens kam ich auf den Einfall, die Explosionskraft des
Schwarzpulvers, das wir den auf dem Feld verstreuten Patronen entnommen hatten,
in einer neuen Mischung auszuprobieren, nämlich mit Weihrauch vermengt. Karl
wusste nichts von der Sprengkraft dessen, was sich an diesem Tag in dem Weihrauchschiffchen
zwischen seinen Händen befand. Ich hatte rechtzeitig durch frühzeitiges
Eintreffen vor den Beerdigungsvorbereitungen für die geheim verlaufene Präparation
des Weihrauches gesorgt. Der Ort und Zeitpunkt des Versuchstests waren also planerisch
fest im Griff. Kurz
bevor der Priester die zu Herzen gehenden Worte sprach: "Mit himmlischem Wohlgeruch
erfülle deine Seele" und dabei den würzigen Weihrauch aus dem dafür
vorgesehenen Weihrauchfass schwenkend über und neben dem Sarg entweichen
ließ, wurde der Weihrauch auf die glühende Kohle im geöffneten
Weihrauchfass gestreut. Das war die Sekunde der Wahrheit. Wie geahnt, erhofft
und befürchtet, gab es beim Zusammentreffen von Weihrauchpulver mit glühender
Kohle eine ansehnliche Stichflamme. Das weiße Rosett des Pfarrers sah danach
leicht verändert aus, die Stola etwas angesengt. Reinhold am Kopf des Grabes,
das Kreuz haltend, lachte blöde und pietätlos laut auf, sodass er fast
ins Grab gestolpert wäre. Karl, der Inhaber des Weihrauchschiffchens, aus
dem die Sprengladung entnommen worden war, stand betroffen, hilf- und verständnislos
in der Friedhofsgegend herum. Unser Musterschüler, heute selber Pfarrer,
wusste keine naturwissenschaftliche Erklärung für diese neue Wirkungsweise
des Weihrauches. Die
am Grabe versammelten trauernden Hinterbliebenen reagierten unterschiedlich; teils
entsetzt stumm und sprachlos, teils unziemlich hysterisch und sicher auch einige
deshalb verlegen, weil sie annahmen, Opa im Sarg habe sie doch bei ihren Erbschleichereien
erwischt und auf diese originale non-verbale Art seinen Unmut zum Ausdruck gebracht.
Wie dem auch sei, nur einer behielt
Haltung, das war ich. Doch leider hat mich dieser stoische Heroismus nicht vor
der Entlassung gerettet. Nur wenige Meter vom Grab entfernt und nur einige Minuten
nach der Beerdigung, die ansonsten glatt und herkömmlich würdig verlief,
beschuldigte mich unangemessen und handgreiflich der Pfarrer des in der Liturgie
nicht vorgesehenen Spektakels. Wie mir erst später klar wurde, hatte ein
kleiner Fehler, ein unbedachtes Fehlverhalten im ansonsten perfekt geplanten Handlungsablauf
mich verraten. Ich hatte beim Füllen des Weihrauchfasses dasselbe, entgegen
meiner sonstigen Gewohnheit, sehr weit, zu weit von mir gehalten und damit ängstlich
meine Erwartung des Knalleffektes verraten. Was
uns lehrt: Unterdrücke in brenzligen Situationen auch die kleinen Ängstlichkeiten!
Ende |
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Gott
spielt in meinem Leben keine Rolle. (Er
ist nur der Regisseur.) |
| | Er
verrät uns nicht |
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Letzten Sommer zur Obsternte hatte der Pfarrer
oft ungebetene Gäste in seinem Garten. Die Kinder aus dem
Dorf stiegen heimlich über den Zaun und klauten Äpfel und Birnen.-
Eines Tages hatte der Pfarrer
eine Idee. Er stellte ein Schild hin, auf dem man lesen konnte: "Gott sieht alles."
Verblüfft fand er am nächsten
Morgen sein Schild durch folgenden Satz ergänzt:
"Aber er verrät uns nicht." |
|
Inwischen
läuft im elektrotechnischen Bereich fast alles digital
ab. Das analoge Fernsehen wird durch das Digitalfernsehen ersetzt
und seit Anfang des Jahres 2003 ist die "digitale Signatur"
der herkömmlichen Unterschrift gleichgestellt.
Karstadt, T-Online und
andere hatten vor Jahren ein neues Bonus-Programm gestartet,
das sie -dem Zeitgeist folgend- "Happy Digits" nannten. Statt
Punkten sammelte man bei Karstadt jetzt Digits. Ein Digit hatte
den Gegenwert von 1 Cent.
Das englische
Wort "digit" hat zwei Bedeutungen:
1) "Finger" und zugleich
"Zehe" (anatomisch)
2) Ziffer, Stelle
Das Bonus-Programm bezog sich natürlich
wegen der Nutzungsmöglichkeit im EDV-Bereich auf die zweite
Bedeutung.
Auch
der Begriff "Digit" stammt ursprünglich wieder aus der
lat. Sprache:
digitus = in der Anatomie der medizinische
Ausdruck für "Finger", (auch "Zehe"),
digital = in der Medizin "mit
dem Finger" - Digitalis ( Fingerhut) = Heilpflanze bei
best.Herzerkrankungen
digital = im techn. Bereich: ziffernmäßige
Darstellung; im EDV-Bereich: in Stufen erfolgend
signator = lat. "Untersiegler"
(einer Urkunde, eines Briefes mit Siegellack in früheren
Zeiten)
Es gibt
sogar einen biblischen Bezugspunkt. Schon im Alten Testament
(2. Mose 31, 18) lesen wir vom "Finger Gottes" (lat.:digito
Dei).
Gemälde
"Adam" (Ausschnitt) von Michelangelo
(Deckengemälde
der Sixtinischen Kapelle, Rom)
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Schiberrner Schnäpscher
(eine humorvolle Legende mit Lokalkolorit)Wohl
nur noch der älteren Generation ist der Spitzname "Schiberrner Schnäpscher"
bekannt. So nennt man in der so genannten "Einrich - Metropole" Katzenelnbogen,
aber auch in den anderen Dörfern dieser Region die Einwohner Schönborns.
Wie es zu diesem Ausdruck kam, erzählt folgende Legende: Vor
fast einem Jahrhundert sollte ein Schönborner Bürger wegen eines Vergehens
im Diezer Gefängnis einsitzen. Dem Mann mag es bei dem Gedanken an die lange
Zeit bei Wasser und Brot nicht ganz wohl gewesen sein und daher fasste er den
Beschluss, sich wenigstens mit etwas Schnaps zu versorgen. Einen gewaltigen Krug
in der Hand tragend trat er seinen Weg zur damaligen Kreisstadt des Unterlahnkreises
an, wo er sich zur vorgeschriebenen Stunde zu melden hatte. Den Gefängnisbeamten
fiel gleich das mitgeführte Gepäckstück des neuen Insassen auf,
weshalb sie ihn auf die Ungesetzlichkeit seines Vorhabens aufmerksam machten.
"Ich honn merr jo noor e Schiberrner Schnäpsche mettgebroocht", war die Entschuldigung.
Auf diese Antwort hin unterzog man den Inhalt des Krugs einer genaueren Kontrolle
und stellte fest, dass das "Schiberrner Schnäpsche" 7 Schoppen, 2 Viertelchen
und noch für 2 Kreuzer maß. |
| THE DEVIL SAYS:
"MOST OF MY WORK IS DONE ON THE NET THESE DAYS." | Der
Teufel sagt: "Den größten Teil meiner Arbeit erledige ich heuzutage
über das Internet." |
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| Das Schaf Es
war einmal ein Schäfer, der in einer einsamen Gegend seine Schafe hütete.
Plötzlich tauchte in einer großen Staubwolke ein nagelneuer Cherokee-Jeep
auf und hielt direkt neben ihm. Der Fahrer des Jeeps, ein dynamischer Mann in
Brioni-Anzug, Cerutti-Schuhen, Ray Ban-Sonnenbrille und einer YSL-Krawatte steigt
aus und fragt ihn: "Wenn ich errate, wie viele Schafe Sie haben, bekomme ich dann
eins?" Der Schäfer
schaut den Mann an, dann seine friedlich grasenden Schafe und sagt ruhig: "In
Ordnung." Der Mann
parkt den Jeep, verbindet sein Notebook mit dem Handy, geht im Internet auf eine
NASA-Seite, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS-Satellitennavigationssystems
ein, öffnet eine Datenbank und 60 Excel-Tabellen mit einer Unmenge von Formeln
und Daten. Schließlich druckt er einen 150-seitigen Bericht auf seinem Hightech-Mini-Drucker
aus, dreht sich zu dem Schäfer um und sagt: "Sie haben exakt 1586 Schafe."
Der Schäfer sieht den Mann
gelassen an und sagt dann ruhig: "Das ist richtig. Suchen Sie sich ein Schaf aus!"
Nach mehreren wechselnden Entscheidungen
greift sich der Mann ein Tier und lädt es in seinen Jeep. Der
Schäfer schaut ihm zu und sagt: "Wenn ich nun ihren Beruf errate, geben Sie
mir dann das Tier zurück?" Der
Mann antwortet: "Klar, warum nicht?" Der
Schäfer sagt: "Sie sind ein Qualitätsmanager." "Das
ist richtig, woher wissen Sie das?", will der dynamische Mann wissen.
"Sehr einfach", sagt der Schäfer.
"Erstens kommen Sie hierher, obwohl Sie niemand gerufen hat. Zweitens wollen Sie
ein Schaf als Bezahlung dafür haben, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin
schon weiß. Und drittens haben Sie keine Ahnung von dem, was ich hier mache,
denn Sie haben sich meinen Hund ausgesucht." Aus:
MBFJ (Hrsg.); Sport, Qualitätsentwicklung in der Schule. Mainz 2003, S. 94 |
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Die Glocke ruft
von Ulrike PiechotaAlles
muss seine Ordnung haben, auch die Glocken des Kirchturms. Wo kämen wir hin,
wollten sie läuten, wann und wie es ihnen passte. Würden sie zu oft
oder zu laut läuten, müsste die Kirche zahllose Prozesse wegen Ruhestörung
durchstehen. Würden sie überhaupt nicht oder zu leise läuten, könnten
sich die Kirchensteuerzahler wegen Verschwendung von Kirchensteuern beschweren.
Denn jedermann weiß, Glocken sind nicht gerade billig und müssen daher
benutzt werden. Um
also Prozessen oder Beschwerden vorzubeugen, wurde in manchen Orten die Läuteordnung
erfunden, an die sich der Küster, der die Glocken betreut, halten muss. Schwarz
auf weiß kann er nachlesen, dass zu einer Abendandacht nur die drittgrößte
Glocke geläutet werden darf, zu einer Morgenfeier die zweitgrößte,
zu einem normalen Sonntagsgottesdienst zunächst die zweitkleinste, nach einigen
Minuten zusätzlich die nächstgrößte. Zehn Minuten vor Gottesdienstbeginn
darf dann die größte Glocke in das Geläut einstimmen.
Dass alle
Glocken aufeinander abgestimmt sind, dürfte selbstverständlich sein.
Ebenso, dass man sich im Zeitalter der Ökumene mit der katholischen Kirche
über deren Glockentöne unterhält und einigt. Es soll ja keinen
Missklang geben, sollten einmal "katholische" und "evangelische" Glocken zur gleichen
Zeit läuten. Kurz
gesagt, die Läuteordnung ist nicht unwichtig und bisher hatten sich auch
alle Küster in M. genau danach gerichtet. Ein
neuer Küster musste eingestellt werden, da der alte pensioniert wurde. Vielleicht
lag es an den tonkünstlerischen Neigungen Franz Olaf Schuberts, vielleicht
auch an seinem Namen. Franz Olaf Schubert jedenfalls hielt sich nicht an die Läuteordnung.
"Warum sollten zur Abendandacht
nicht alle vier Glocken läuten?", fragte sich Franz Olaf und ein Geläute
erfüllte den Ort, dass sich so mancher in seiner Abendruhe gestört fühlte.
"Zur Morgenandacht soll die zweitgrößte
Glocke läuten?" Franz
Olaf schüttelte den Kopf. Morgens schliefen manche Menschen gern etwas länger.
Also ließ der Küster nur die allerkleinste Glocke zu Wort kommen.
Am Sonntagmorgen läutete
er nur ganz kurz die zweitkleinste Glocke, nachdem er sich eine Meinung über
Pfarrer Schallers Predigten gebildet hatte. "Der Schaller", so sein Urteil, "predigt
so schlecht, dass ich die Christen nicht guten Gewissens in die Kirche locken
kann." Predigte
dagegen Pfarrer Schumann, riefen schon eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn
alle Glocken die Christen herbei, damit sie die wahrscheinlich wieder einmal brillante
Predigt nicht versäumten. Gegen
die vorgeschriebene Läuteordnung verstieß Franz Olaf auch bei jener
Hochzeit, die er schon vor der Trauung als gescheitert erkannte. "Die beiden passen
nicht zusammen", hatte er festgestellt und ließ daher nur die kleinste Glocke
ein paar Minuten zum Traugottesdienst rufen. Als sich jedoch zwei junge Leute
das Ja-Wort in der Kirche geben wollten, die nach seiner Meinung prächtig
harmonierten, erfuhr die Gemeinde mit einem halbstündigen Geläut aller
Glocken davon. "So
geht das nicht", stellte Pfarrer Schaller fest und fotokopierte dem Küster
die Läuteordnung. Mit Rotstift unterstrich er die wichtigsten Läuteregeln.
Zum Ärger seiner Vorgesetzten
legte Franz Olaf Schubert die Fotokopie achtlos beiseite und betätigte die
Glocken weiterhin nach eigenem Ermessen. Pfarrer
Schumann bat den Küster nun zu einem Gespräch unter vier Augen ins Pfarrhaus
und beschwor ihn die Läuteordnung einzuhalten. "Warum?",
fragte Franz Olaf. "Glocken sind doch keine Maschinen." Das gab Pfarrer Schumann
zu. "Außerdem",
fuhr der Küster fort, "ist es doch eine wichtige Aufgabe der Glocken, die
Gläubigen ganz individuell auf den Kirchgang einzustimmen. "
Pfarrer Schumann war, ohne überzeugende
Gründe angeben zu können, anderer Meinung und legte dem Küster
die Läuteordnung noch einmal dringend ans Herz. Wie vorauszusehen war, prallte
dieses Ansinnen am Herzen des Küsters ab wie Wasser von einer Entenfeder.
Nach wie vor war er bestrebt, die Gemeinde individuell mit Hilfe der Glocken auf
das vorzubereiten, was sie in der Kirche erwartete. So
kam es wie es kommen musste: Der Verstoß gegen die Läuteordnung wurde
Tagesordnungspunkt im Presbyterium. Über eine Stunde sprach man dort über
die Glocken, die nun schon monatelang falsch geläutet wurden.
"Ordnung ist das halbe Leben!",
rief ein Presbyter und schlug mit der Faust auf den Tisch. "Jawohl!",
stimmte ihm ein anderer zu. "Und die Läuteordnung ist die andere Hälfte."
Die Gemüter erhitzten sich,
obwohl eigentlich alle der gleichen Meinung waren. Wieder ruhiger geworden, stellte
man fest, dass man ansonsten mit der Arbeit des neuen Küsters hochzufrieden
war. Er hielt die Kirche und den Kirchenvorplatz sauberer als alle bisherigen
Küster. Er murrte nie, wenn ein Gemeindekreis länger als vereinbart
das Gemeindehaus besetzte. Und äußerte einer der beiden Pfarrer einmal
Sonderwünsche, wurden sie sofort erfüllt. Warum
nur konnte er die Läuteordnung nicht einhalten? Niemand konnte sich das erklären
und so wurde beschlossen, Franz Olaf einen schriftlichen Verweis zu erteilen,
dem die schwesterlich-brüderliche Mahnung angefügt wurde, die Läuteordnung
künftig peinlich genau zu beachten. Franz
Olaf Schubert las zwar das Schreiben des Presbyteriums, richtete sich aber nicht
danach. So ließ er, als der Superintendent eine Gastpredigt hielt, alle
vier Glocken viel zu lange läuten. Der hohe Besuch musste schließlich
gebührend geehrt werden. Die
Katholiken beschwerten sich diskret. Ihre Läuteordnung hatte für diesen
Sonntag eher trauriges Geläut vorgesehen. Wenn nun die"evangelischen" Glocken
zur gleichen Zeit ein Festgeläut demonstrierten, musste man beinahe denken,
sie wollten sich in den Vordergrund drängen. "Nichts
liegt uns ferner", wehrte Pfarrer Schaller diesen Vorwurf ab. "Unser Küster
will einfach nicht die Läuteordnung begreifen." "Einem
wird immer die Schuld zugeschoben", dachten dei Katholiken und sprachen die Hoffnung
aus, solch ein Affront möge nicht mehr stattfinden. Dass
an dem Sonntag, als der Superintendent wieder in M. predigte, nur die allerkleinste
Glocke wimmerte, war nicht dem seitdem etwas gespannten Verhältnis zur katholischen
Kirche zuzuschreiben. Franz Olaf hatte vielmehr die so lautstark angekündigte
erste Predigt des Superintendenten als recht aussagelos erkannt. Er fand es daher
ungerechtfertigt, die Gemeinde zu einer wahrscheinlich ähnlich nichtssagenden
Predigt mit Glockengebraus in die Kirche zu locken. Der Superintendent war mehr
als gekränkt, dass ausgerechnet zu seiner Predigt ein solch unmissverständliches
Armesünderläuten gerufen hatte. Daraufhin wurde die nicht eingehaltene
Läuteordnung abermals im Prebyterium diskutiert. Und
wieder erhitzten sich die Gemüter, obwohl alle die gleiche Meinung vertraten.
Ein zweiter schriftlicher Verweis erschien aussichtslos; deshalb beschloss das
Presbyterium, das Landeskirchenamt um schwesterlich-brüderlichen Rat zu ersuchen.
Einige Monate, die Glocken läuteten indessen weiter ohne Ordnung, gingen
ins Land, ehe die Antwort eintraf. Das Landeskirchenamt empfahl dem Presbyterium,
dem Küster einen schriftlichen Verweis zu erteilen. "Das
haben wir bereits getan", stellte Pfarrer Schumann in der Presbytersitzung fest,
nachdem der Brief verlesen worden war. Weder er noch Pfarrer Schaller noch die
Presbyter konnten ihre Enttäuschung über den landeskirchlichen Rat verbergen,
der von einem untergeordneten Mitarbeiter unterschrieben war. Dabei gab es doch
genug Juristen im Landeskirchenamt, die sich mit der Nichteinhaltung der Läuteordnung
in M. hätten befassen können. "Vielleicht",
schlug eine Presbyterin vor, "vielleicht sollten wir an den Herrn Bischof persönlich
schreiben." Sie hatte den Bischof einmal auf dem Kirchentag gesehen. Das große
goldene Kreuz auf dem schwarzen Lutherrock hatte recht vertrauenserweckend gewirkt.
Ein Bischof nahm sich der Nöte eines Presbyteriums sicher mit mehr Ernst
an als ein Landeskirchenamt. Der
Brief wurde geschrieben. Umgehend ließ der Bischof antworten, das Presbyterium
solle mit christlicher Nächstenliebe mit dem Küster sprechen. "Sicher
ist Ihr Küster", so las Pfarrer Schaller aus dem Brief vor, "ein tüchtiger
Mann, nur etwas tumb im Geist. Selig sind, die da geistig arm sind."
Geistig arm zeigte sich Franz
Olaf jedoch nicht, als er zur nächsten Sitzung des Presbyteriums gerufen
wurde. Im Gegenteil, er brillierte mit Läutevariationen, die sogar Pfarrer
und Presbyterium ein Mitspracherecht für die ohne Ordnung geläuteten
Glocken einräumte. "Wenn
Sie sich zum Beispiel", Franz Olaf wandte sich an die beiden Pfarrer, "besonders
gut auf Ihre Predigt vorbereitet haben, sagen Sie es mir. Ich läute dann
alle vier Glocken. Hatten Sie einmal keine Zeit zur Predigtvorbereitung, wird
nur die kleinste Glocke geläutet." Ein
Presbyter murmelte, für die anderen unhörbar, dann würde die Gemeinde
wohl nur noch die kleinste Glocke läuten hören können.
"Und Sie", jetzt wandte
Franz Olaf sich an die Presbyter, "könnten mir Bescheid geben, wenn die Kollekte
am Sonntag besonders ertragreich war. Zum Dank läute ich zur Abendandacht
am Mittwoch die große Glocke. War die Kollekte gering, läute ich nur
die kleinste..." "Das
ist doch alles Unfug", unterbrach ihn Pfarrer Schaller. "Außerdem
nicht durchführbar." Pfarrer Schumann schüttelte den Kopf.
"Und es ist total gegen die Läuteordnung",
ergänzten die Presbyter. "Und
wenn wir die Läuteordnung einfach neu schreiben?" Für
Franz Olaf Schubert war so ein Stück Papier kein großes Problem. Man
konnte es gut durch ein anderes Stück Papier ersetzen, das der Gemeinde eine
freie Gestaltung des Glockengeläuts zusicherte. "Einverstanden",
sagte Pfarrer Schumann zur Überraschung der Presbyter. "Wir stellen beim
Landeskirchenamt den Antrag auf Änderung unserer Läuteordnung. Sind
Sie willens, Herr Schubert, bis zur Änderung der Läuteordnung die alte
Läuteordnung einzuhalten?" Franz
Olaf verneinte. Die jetzt noch existierende Läuteordnung konnte er nicht
mit seinem Gewissen vereinbaren, da er sie als unweise erkannt hatte. Weise aber
mussten seiner Meinung nach die akustischen Klänge sein, die durch die Lüfte
vom Leben der Christen kündeten. "Dann
müssen wir sie vom Dienst suspendieren, bis wir eine neue Läuteordnung
haben, die Sie mit Ihrem Gewissen vereinbaren können", teilte das Presbyterium
nach einer langen, geheimen Sitzung dem Küster mit. Franz
Olaf durfte weiter in der Küsterwohnung bleiben. Auch bekam er siebzig Prozent
seines Gehalts. Die Küsterarbeiten durfte er natürlich nicht verrichten,
da er ja sozusagen im Wartestand war. So
putzten freiwillige Gemeindeglieder für Gotteslohn die Kirche, hielten den
Kirchenvorplatz sauber, öffneten und schlossen das Gemeindehaus, kochten
Kaffee für den Frauenkreis und läuteten die Glocken - natürlich
genau nach der Läuteordnung. Damit hatten die Glocken endlich, endlich wieder
ihre Ordnung. Sobald
die neue Ordnung in Kraft tritt, darf Franz Olaf seine Arbeit wieder aufnehmen.
Jetzt lebt er erst einmal ganz für seine tonkünstlerischen Neigungen.
Er hat sich ein komplettes Musikstudio in der Küsterwohnung eingerichtet.
Zeit hat er ja, denn von einer neuen Läuteordnung hat noch niemand etwas
läuten hören. |
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Ein christlicher Missionar
sieht sich plötzlich von einem Rudel Löwen umzingelt. An ein Entkommen
ist nicht mehr zu denken. Da fällt er auf die Knie, schließt die Augen
und betet: "Oh Herr, verschone mich und gib mir ein Zeichen deines Geistes und
deiner Gnade! Befiehl diesen Löwen sich wie echte Christen zu verhalten!"
Als er wieder aufblickt, sitzen
die Löwen im Kreis um ihn herum, haben die Pfoten gefaltet und beten laut:
"Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast." |
Der
Spendenskandal
 ©
Johann Mayer |
Glaubensinhalte
vermitteln
 ©
Thomas Plaßmann |
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© Wolfgang Jakupka |