Die
Grafen von Schönborn (aus der
Dorfchronik) Schönborn
ist eigentlich ein Dorf wie jedes andere in Deutschland, gäbe es da
nicht das Grafengeschlecht derer von Schönborn, dem der Ort seinen Namen
gab. Schon vor 1284 soll es eine kleine Ansiedlung "am schönen Born" im Niederlahngau
gegeben haben. Aus einer Urkunde des Jahres 1284 geht nämlich hervor, dass
nicht nur eine Familie "am Born" wohnte, nämlich die von Schönborn,
sondern dass schon eine Siedlung bestanden haben muss, zu der sogar eine kleine
Kirche gehörte.
Zwischen
1373 und 1479 standen zwanzig Edle von Schönborn im Dienst der Grafen von
Katzenelnbogen. Sie waren bald aufgestiegen zu Edelknechten, Rittern, Amtsleuten
und Hofmeistern. Nach dem Erlöschen des Katzenelnbogener Grafengeschlechts
im Jahr 1479 brechen die Regesten der Grafen von Katzenelnbogen ab, sodass man
auch über das Schicksal der Kleinadligen von Schönborn hier nichts mehr
erfahren kann.
Einige
Orte ihrer Tätigkeit im Dienst der Katzenelnbogener Grafen waren Ellar, Reichenberg,
Hohenstein, Kemel, Burgschwalbach, Holzappel, Schaumburg, Burg Lahneck, St. Goar/Rheinfels
und Boppard. In Montabaur, Westerburg, Königstein, Limburg, Weilburg und
Freienfels waren sie im Dienst anderer Herren tätig. Ihre Besitztümer
reichten bis nach Idstein und Rüdesheim.
Am Anfang des 15. Jahrhunderts waren die "von Schönborn"
so zahlreich geworden, dass sich die Verwandtschaft seitdem in mehrere Linien
verzweigte:1) Die Stroße von Schönborn mit Besitz in Hahnstätten
und Hadamar
2)
Die von Schönborn in Westerburg, die keine Grafen, sondern niederadlige Bedienstete
der von Leiningen - Westerburg waren
3)
Die von Schönborn in Hahnstätten, die das väterliche Stammgut in
Schönborn hatten, aber später nach Hahnstätten* zogen
*In Hahnstätten steht übrigens noch
heute das so genannte "Wasserschlösschen", das als ehemalige Burg,
die seinerzeit den Namen "Schloss im Weiher" trug, einst von den Hahnstätter
Schönborn bewohnt wurde. Diese verstanden es, durch Ankäufe ihren Besitz
in und um Hahnstätten zu vermehren. So kauften sie z.B. den damals bedeutendsten
und größten Hof des Dorfes, den "Stroßenhof". Dieser "Stroßenhof"
soll nördlich der Hahnstätter Kirche zwischen der Kirchgasse und der
Straße nach Kaltenholzhausen gelegen haben.
[nach H. Clauß im Hahnstätter Marktheft 1997]
4) Die Freienfelser
Linie derer von Schönborn [ > Freienfelser
Ritterspiele]
Die
bedeutendste Rolle der vier Linien spielte später die Freienfelser Linie,
aus der Bischöfe, Erzbischöfe, Kurfürsten und Grafen hervorgegangen
sind, die im mainfränkischen Raum, am Rhein, aber auch an der Mosel und in
Bruchsal sowie in Meersburg am Bodensee regierten und Kirchen und Schlösser
vor allem durch ihren Hofbaumeister Balthasar
Neumann erstellen ließen, die weltbekannt geworden sind.
Für die Geschichte des Dorfes Schönborn
ist die Linie der Hahnstätter "von Schönborn" wegweisend gewesen. Ihre
Erben waren die Herren von Wonsheim und dann die von Boos und Waldeck. Vom 30-jährigen
Krieg bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts beeinflussten die Grafen von Schönborn
das religiöse, politische und kulturelle Leben von Trier bis Wien und von
Erfurt bis Konstanz. Überall leuchtete der goldene Schönbornlöwe
mit dem gespaltenen Schwanz, der auf drei Spitzen schreitet. Den Namen "von Schönborn"
trugen Kurfürsten von Mainz und Trier, Fürstbischöfe von Würzburg,
Bamberg, Worms, Speyer und Konstanz. Was denen von Schönborn allen gemeinsam
war, war ihre Bauleidenschaft. Ihre Baudenkmäler sind noch heute in Rheinland
- Pfalz und im fränkischen Teil Bayerns zu bewundern.-
Rudolf Franz Erwein (1677 - 1754), ein Neffe
von Lothar Franz, wählte zum Wohnsitz für seine Familie Schloss Wiesentheid,
das bis zum heutigen Tag Stammsitz der Familie Schönborn-Wiesentheid ist.
[Wiesentheid liegt östlich von Würzburg.]
Schloss Weissenstein
in Pommersfelden, zwischen 1711 und 1718 von Lothar Franz
von Schönborn erbaut
Schloss
Wiesentheid |  |
Etwa
20 km nördlich von Wiesentheid in der Nähe von Volkach / Main liegt
in Gaibach ein Schloss der Grafen von Schönborn, das auf einer alten Wasserburg
aufgebaut wurde.
Innenhof des Gaibacher Schlosses
Die Denkmäler
der Erzbischöfe und Kurfürsten Johann Philipp sowie Lothar Franz von
Schönborn nach einem Entwurf Balthasar Neumanns sind im Westchor
des Mainzer Doms zu sehen.
Fürstin
Gabriele zu Sayn-Wittgenstein, eine geborene Gräfin von Schönborn -
Wiesentheid, ließ in Bendorf - Sayn einen
Garten der Schmetterlinge anlegen und die Burg Sayn mit dem größten
deutschen Turmuhren - Museum (seit Ende 2001 geschlossen) neu aufbauen.
Einige
im Text vorkommende Ortsnamen sind unten auf dem Kartenausschnitt zu finden.
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Karte,
auf der die Orte des Verbreitungsgebiets der vier Linien der Grafen von Schönborn
zu finden sind: